Wenn sich in den Wechseljahren durch einen Hormonmangel psychische oder körperlichen Mangelsymptome entwickeln, ist ein Ausgleich durch Hormongaben begründbar, wie wir es auch z.B. bei Schilddrüsenfunktionsstörungen kennen.

Idealerweise sollten möglichst human-identische biologische Verhältnisse, die vorher bestanden, wiederhergestellt werden.
Das ist möglich, indem physiologische Hormonsubstanzen statt synthetische Substanzen bevorzugt werden. Weiterhin sollten niedrig-physiologische Hormonkonzentrationen beachtet werden, die den Wirkspiegeln im Blut und an Zielorganen von jungen Erwachsenen entsprechen und zur Gesunderhaltung ausreichend erscheinen. Hierbei ist eine adäquate Dosierung und spezifische Darreichung zu wählen.
Auch tierische und pflanzliche Hormone sind „natürliche“, sie unterscheiden sich aber von den menschlichen Hormonen.

Wenn man von „körperidentischen“ oder „bioidentischen“ Hormone spricht, so meint man Hormone, die mit den körpereigenen Hormonen völlig identisch sind. Bei den Östrogenen erfüllt das 17ß-Estradiol<, bei den Gestagenen (=Gelbkörperhormon ) das physiologische Progesteron diese Kriterien. Wie sie pharmazeutisch hergestellt werden (meist aus der Yams-Wurzel), ist hierbei unerheblich.

Es gibt zwei Wege der Anwendung :

  • oral ( Tablettenform) oder
  • transdermal (über die Haut in Form von Gel oder Pflaster )

Ein wesentlicher Unterschied zwischen der oralen und transdermalen Östrogen-Applikation besteht in der unterschiedlichen Leberbelastung. Durch die erste Leberpassage wird oral verabreichtes Östrogen wesentlich zu Estron abgebaut, sodass zunächst wenig Estradiol in das Blut gelangt.
Daher wird eine hohe orale Dosis benötigt, um effektive Wirkspiegel zu erreichen. Diese große Menge beeinflusst diverse Prozesse in der Leber, die zu erhöhten Risiken von Thrombose, Lungenembolie, Komplikationen der Gallenwege und mehr beitragen können.
Estradiol wird daher besser transdermal angewendet, da dann die o.g. Risiken nicht bestehen.

Im Rahmen der Kinderwunschbehandlung wird die Zufuhr über Einbringen der Tablette in die Scheide ( = vaginale Darreichung) bevorzugt. Dadurch erfolgt eine hohe Anreicherung in der Gebärmutter, was als Schutz vor Fehlgeburten dienen kann.

Bei der HRT ist die orale Anwendung des Progesterons zu bevorzugen. Hier entstehen erwünschte Umbauprodukte wie Allopregnanolon, die für beruhigende, angstlösende und auch neuroregenerative Zentraleffekte des Progesterons und seiner Metabolite verantwortlich zu machen sind.

Bei Zufuhr über die Haut können keine ausreichend hohen Blutspiegel erreicht werden, sodass die gewünschte Effekte wie bei Einnahme als Tablette nicht erreicht werden.

Das natürliche Progesteron mit seinen natürlichen Abbauprodukten kann unzählige vorteilhafte Wirkungen im Körper hervorrufen, die den synthetischen Gelbkörperhormonen meist fehlen

  1. Schutzeffekte an der Gebärmutter

    • Schutz vor Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut und damit Schutz vor Gebärmutterkrebs
  2. Schutzeffekte an der Brust

    • Schutz vor Zystenbildung und Brustkrebs
  3. Psychische Effekte ( Gehirn )

    • Progesteron und auch seine Abbauprodukte haben beruhigende, angstlösende, antiepileptische und leicht blutdrucksenkende Wirkungen
    • Zahlreiche Störungen bei Frauen im Klimakterium wie nervöse Unruhe, erhöhte Ängstlichkeit und Schlafstörungen können günstig beeinflusst werden durch das natürliche Progesteron
  4. Nervenschutz im Gehirn

    • Progesteron trägt zur Regeneration von Nervenscheiden bei und hilft bei Migräne, Angstattacken und Schlafstörungen
  5. Günstige Wirkung auf die Blutgefässe

    • Progesteron bewirkt, dass sich die Gefässe zusammenziehen und wirkt somit gegen Wassereinlagerungen ( Ödeme) ; des weiteren hat es einen positiven Einfluss auf Besenreisergefässe und Krampfadern. Als Gegenspieler des Aldosterons hilft es bei der Ausschwemmung von Wasser und damit bei der Blutdrucksenkung
  6. 6. Schutz vor Osteoporose zusammen mit Östrogen

    • Progesteron hilft beim Knochenaufbau, indem es die knochenaufbauenden Zellen ( Osteoblasten) stimuliert; dies erfolgt in „Zusammenarbeit“ mit dem Östrogen und Vitamin D
  7. Hautschutz

    • auch die Haut profitiert vom Progesteron; da das Bindegewebe im stetigem Umbau steht, dürfen die abbauenden Enzyme nicht überwiegen, da ansonsten eine Bindegewebsschwäche und Faltenbildung zunimmt.
    • Progesteron bremst viel abbauende Prozesse und verzögert damit die Hautalterung

Um bei einer Hormonersatztherapie dem Ziel „natürliche Verhältnisse“ nahe zu kommen, sollte man heute noch folgender Weise vorgehen :

  • Östrogen transdermal ( Gel oder Pflaster ) statt oral (Tablette )
  • Gelbkörperhormon in Form des körperidentischen Progesteron oral statt körperfremdes Gelbkörperhormon

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