Als sogenannte chemische Verhütungsmittel  sind Cremes, Gele, Salben, Schaum und Zäpfchen verfügbar. Sie sind in Apotheken und Drogerien käuflich zu erwerben. Alle chemischen Verhütungsmittel  müssen  tief in die Scheide eingeführt werden, denn erst dort löst sich das jeweilige Mittel auf und bildet eine gewisse Sperre für die Samenzellen. Auch die Beweglichkeit der Spermien wird gehemmt und die Samenzellen werden schneller durch die Scheidenenzyme abgebaut.

Spermizide

Spermizide (= samenabtötende Substanzen) gehören zu den sehr alten Methoden der Verhütung. Bereits zu Zeiten der alten Ägypter wurde Frauen empfohlen, Einlagen von Kräutern, Moosen, Honig, Öl in die Scheide einzuführen.

Gels und Cremes

Sie sind in ihrer Form sofort wirksam und werden kurz vor dem Geschlechtsverkehr über die Scheide vor den Gebärmutterhals eingeführt.

Der Wirkstoff

Der am häufigsten verwendete Wirkstoff der Spermizide hierzulande heißt Nonoxynol-9. Er hat eine antibakterielle Wirkung und tötet bestimmte Bakterien wie Gardnerella, Gonokokken und Chlamydien ab, nicht aber Hefepilze und HIV-Viren. Nach der Verwendung solcher Substanzen kann es zu einem Brennen und Jucken in der Scheide kommen; auch bei den Männern kann es schon einmal am Penis ein „brennendes Erlebnis“ geben. Hier gibt es keine Grund zur Sorge, weil dieser Nebeneffekt wieder schnell vergeht.

Derzeit gibt es zwei Gele, die zwar nicht sicher spermizid (= samenabtötend) wirken, jedoch die Samenaktivität deutlich behindern.
Einerseits handelt es sich um das „Berliner Zitronengel“ und andererseits um das niederländische „Contracep-Gel“.
Das Zitronen-Gel ist ein zähflüssiges Verhütungsgel auf der Basis von Glyzerin, Traganth (eine Art Pflanzenklebstoff), Weizenstärke und Zitronensäure. Während Glyzerin und Weizenstärke für einen dickflüssigen Brei sorgen, quillt Traganth in Wasser auf und wirkt als Bindemittel. Alle zusammen ergeben eine breiige Schutzmauer, die die Spermien daran hindert, sich ausreichend fortzubewegen. Zusätzlich unterstützt die Zitronensäure das saure Milieu in der Scheide. Das „Zitronensäuregel“ ist frei von Duft- und Konservierungsstoffen, etwa ein Jahr haltbar und in jeder Apotheke zu erhalten.

Das Contracep-Gel besteht aus ähnlichen Inhaltsstoffen wie das Zitronensäuregel, allerdings auf der Basis von Milchsäure. Contracep enthält im Gegensatz zum Zitronensäuregel Konservierungsstoffe und ist dadurch länger haltbar.

Verhütungsschwamm

Der Verhütungsschwamm ist ein kleiner, runder Schwamm aus Polyurethan, der mit Nonoxynol-9 imprägniert ist. Er hat eine Schlaufe, damit man ihn besser entfernen kann.

Die Anwendung erfolgt folgendermaßen.: Schwamm mit Wasser anfeuchten und ihn – ähnlich wie ein Tampon – tief in die Scheide bis unmittelbar vor den Gebärmutterhals einführen. Den „Gebärmutterhals“ kann man tasten, wenn man mit dem Finger tief in die Scheide geht und eine Art Zapfen, der in die Scheide hineinragt, fühlen kann. Die spermizide Wirkung entfaltet sich sofort, es muß also keine Wartezeit eingehalten werden. In der Scheide muß er mindestens sechs Stunden nach dem Verkehr liegen bleiben, höchstens aber 30 Stunden.

Sicherheit niedrig

Werden Scheidentabletten, Cremes oder Gele als einzige Verhütungsmethode angewendet, ist nur eine geringe Zuverlässigkeit zu erwarten: Der Pearl-Index liegt bei etwa 25 (Begriffserklärung im Kapitel Verhütung)
Insgesamt gesehen sind Spermizide nur in Kombination mit anderen Mitteln eine sinnvolle und sichere Methode.

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