Die nichtoralen Gestagen-Präparate haben als Langzeitverhütungsmittel (ohne anwendungsfreie Zeit) einige Vorteile:

  • Wegfallen der östrogenbedingten Nebenwirkungen:
    Übelkeit, vermehrte Wasseransammlungen, Brustspannen, Gewichtszunahme,
  • Wegfallen der zyklusabhängigen Nebenwirkungen:
    Schmerzen bei der Menstruation, prämenstruelles Syndrom, zyklusabhängige Migräne,
  • anwendbar wenn Öströgen-Gestagen-Kombinationspräparate nicht erlaubt sind:
    Bluthochdruck, Thrombophilien (nicht bei Depot-Injektionen), Z.n. Thrombose (nicht bei Depot-Injektionen), Z.n. Herzinfarkt (nicht bei Depot-Injektionen), Z.n. Schlaganfall (nicht bei Depot-Injektionen), Lebertumore,
  • Anwendbarkeit in der Stillzeit,
  • Verminderung des Risikos für Gebärmutterkrebs

Als Nachteil gilt vor allem die Nichtvorhersehbarkeit des Blutungsgeschehens. Bei vielen Patientinnen treten Phasen auf in denen es über längere Zeit zu keiner Menstruationsblutung kommt, bei einigen kommt es zu Durchbruchblutungen oder leichten Schmierblutungen in zyklusähnlichem Rhythmus und bei anderen belastende irreguläre Blutungen und Dauerblutungen.

In Deutschland stehen drei Präparate zur Verfügung:

1. DepoClinovir® (150 mg Depot-Medroxyprogestronacetat, DMPA):

Es wird alle drei Monate (plus/minus 14 Tage) i.m. injiziert, begonnen am 1. Zyklustag.
Die mikrokristalline Suspension bildet ein Depot, aus dem
kontinuierlich der Wirkstoff aktiviert wird.

2. Sayana® (104 mg Depotmedroxyprogesteronacetat, DMPA):

Es ist zur dreimonatigen, subkutanen Injektion geeignet.
Das Präparat enthält 31% weniger DMPA als DepoClinovir®. Die Injektion führt zu einer raschen und anhaltenden Hemmung des Eisprungs

3. Noristerat® (200 mg Norethisteronenanthat)

Es wird anfangs alle zwei Monate, dann alle drei Monate i.m. injiziert.
Es wird im Fettgewebe gespeichert.

Alle drei Präparate hemmen den Eisprung und verändern auch Zervix-Schleim, Eileiterbeweglichkeit und die Gebärmutterschleimhaut.

Die Sicherheit der Depot-Gestagene ist sehr gut:
Pearl-Index (= Versagerquote) von Depo-Clinovir® 0,3, von Sayana® 0,0 (keine Schwangerschaft nach 1 Jahr), von Noristerat® zwischen 0 und 2,3 (s. jeweilige Fachinfo).

Wegen der langen Halbwertzeit des MPA und der Depotwirkung ist das Eintreten der ersten Regelblutung und der Fertilität nach Absetzen der Präparate teilweise bis zu neun Monaten verzögert.

Die Indikation ist die Langzeitkontrazeption

Es bestehen jedoch Einschränkungen: Depo-Clinovir® und Noristerat® sind nur indiziert bei Kontraindikationen oder Unverträglichkeit anderer Kontrazeptiva (z.B. gastrointestinale Beschwerden, Kontraindikationen für die Kombinationspille , Complianceprobleme bei anderen Kontrazeptiva).

Bei Sayana® besteht diese Einschränkung nur bei Jugendlichen von 12–18 Jahren.

Die Depot-Gestagene sollten nicht über einen längeren Zeitraum verabreicht werden (s. Fachinfos). Da bei diesen Präparaten eine Verringerung der Knochendichte eintreten kann, wird eine Knochendichte-Messung nach zweijähriger Anwendung empfohlen.

Sayana® und Depo Clinovir® können in der Stillzeit angewendet werden, Noeristerat ® jedoch nicht. Unter Noeristerat® wurden größere Mengen Sexualsteroide in der Muttermilch gefunden.

Bei allen Präparaten ist das Blutungsverhalten nicht planbar. Es können rhythmische Blutungen, Zusatzblutungen oder Amenorrhoen auftreten.

Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass bei allen drei Präparaten individuell mit einer teilweise erheblichen Gewichtszunahme zu rechnen ist. Dies ist in den Fachinformationen ausdrücklich betont.

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