Der erhöhte Energiebedarf ergibt sich aus der Zunahme an Körpermasse der Mutter sowie aus der Gewichtszunahme des Fetus. In den ersten Lebensmonaten ist der Energiebedarf praktisch nicht erhöht. Dagegen entsteht im 2. und 3. Schwangerschaftsdrittel ein Energiemehrbedarf von durchschnittlich 300 kcal pro Tag . Ausgehend von einem durchschnittlichen Energiebedarf junger Frauen von ca. 2.200 kcal/Tag, beträgt der Energiemehrbedarf während des 2. und 3. Schwangerschaftsdrittels ca. 13 %.

Deshalb sollte die Schwangere mengenmässig keinesfalls für zwei essen, denn 300 kcal entsprechen nur einer (Zwischen-) Mahlzeit mehr, z. B. einer Scheibe Vollkornbrot mit etwas Butter und einer Scheibe Käse oder 2 Gläsern Traubensaft.

Zu bedenken ist ausserdem, da mit fortschreitender Schwangerschaft die körperlichen Aktivitäten abnehmen und damit auch der Energieverbrauch sinkt. Eine vernünftige und ausgewogene Ernährung ist die Grundlage für Gesundheit und Vitalität. Insbesondere in der Schwangerschaft und Stillzeit ist die Ernährung ein wichtiger Einflussfaktor für das Wohlbefinden der Mutter und für die Versorgung des Kindes mit allen wichtigen Nährstoffen.

Besonders während der Schwangerschaft ist es wichtig, die Hauptnährstoffe - Kohlenhydrate, Eiweiss und Fett - in einem ausgewogenen Verhältnis aufzunehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, in der Schwangerschaft die Hauptnährstoffe in einem ähnlichen Verhältnis wie vor der Schwangerschaft zu sich zu nehmen :

ca. 10 % der Energie in Form von Eiweiß,
25 - 35 % in Form von Fett und
55 - 60 % in Form von Kohlenhydraten .

Die tatsächliche durchschnittliche Nährstoffzufuhr junger Frauen weicht jedoch deutlich von den Empfehlungen ab.

Es besteht eine Ueberversorgung an Energie, bedingt durch eine zu hohe Fett- und Eiweissaufnahme. Es werden jedoch zu wenig Kohlenhydrate aufgenommen. Deshalb sollten mehr Vollkornprodukte, mehr Obst und mehr Gemüse gegessen werden. Damit werden automatisch weniger Fett und Eiweiss bzw. mehr Kohlenhydrate aufgenommen, und die Energieaufnahme sinkt.

Der Eiweissbedarf erhöht sich mit fortschreitender Schwangerschaft, jedoch besteht in Deutschland im allgemeinen keine Eiweissunterversorgung. Aufgrund der höheren biologischen Wertigkeit wird empfohlen, 50 - 70 % tierisches Eiweiss aufzunehmen ( z. B. Fleisch, Seefisch, Milch und Milchprodukte )

Fett wird in Deutschland normalerweise in ausreichender bzw. zu hoher Menge aufgenommen. Von besonderer Bedeutung in der Schwangerschaft ist jedoch eine ausreichende Versorgung mit essentiellen Fettsäuren, die vorwiegend in pflanzlichen Oelen wie Sonnenblumenöl enthalten sind.

Das Kind benötigt ausserdem Abkömmlinge dieser essentiellen Fettsäuren, die sogenannten langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (kurz: LCP), für die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem. Wenn die Mutter ausreichend mit essentiellen Fettsäuren versorgt ist, kann sie daraus die LCP bilden und an ihr Kind weitergeben. Vorteilhaft ist der Verzehr von Seefisch, z. B. Hering oder Makrele, da diese LCP gleich in fertiger Form liefern. Mittlerweile gibt es sogar erste Hinweise, dass ein hoher Fischkonsum in der Schwangerschaft und damit eine besonders gute Versorgung mit LCP mit einem höheren Geburtsgewicht des Kindes und einem verminderten Vorkommen von Frühgeburten einhergeht.

Bei den Kohlenhydraten empfiehlt es sich, vermehrt Vollkornprodukte sowie frisches Obst und Gemüse zu sich zu nehmen, da auch die Zufuhr an Ballaststoffen in den meisten Fällen sehr unzureichend ist.

Empfohlen werden mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag, das sind z. B. 2 grosse Äpfel oder 7 gehäufte Esslöffel kernige Haferflocken.

Bei abnehmender körperlicher Aktivität im Verlauf der Schwangerschaft ist die Aufnahme von Ballaststoffen für eine gute Verdauung besonders wichtig. Durch den vermehrten Verzehr von Vollkornprodukten, Obst und Gemüse steigt gleichzeitig die Zufuhr an wichtigen Vitaminen und Mineralien.

Mehr Obst, Gemüse und Vollkornprodukte ( Brot, Nudeln, Reis ) -- weniger Fette und Öle bzw. fettreiche Lebensmittel !!

Entscheidend für die Ernährung in der Schwangerschaft ist, da sich bei einem geringen Energiemehrbedarf von ca. 13 % der Bedarf an verschiedenen essen- tiellen Mikronährstoffen - Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen - sehr viel mehr erhöht. Das bedeutet, da der Gehalt an Mikronährstoffen bezogen auf den Energiegehalt ( = Nährstoffdichte ) der Lebensmittel höher sein muss als vor der Schwangerschaft.

Die Schwangerschaft führt für fast alle Vitamine zu einem höheren Bedarf . Da die Zufuhrmengen einiger Vitamine schon vor der Schwangerschaft bei Frauen der Altersgruppe zwischen 18 und 50 Jahren im kritischen Bereich liegen, ist deren Bedarfsdeckung in der Schwangerschaft unsicher und erfordert eine besonders ausgewogene Ernährung mit hoher Nährstoffdichte.

Häufig kritische Vitamine hinsichtlich der Zufuhr sind in der Schwangerschaft : Folsäure, Vitamin B1, Vitamin B2, Vitamin B6. Bei Raucherinnen zusätzlich Vitamin C und bei vegetarischer Ernährung das Vitamin B 12 !!!

Der Folsäuremangel wird schon seit einiger Zeit als eines der Hauptrisiken für die Entstehung von Neuralrohrdefekten ( NRD, offener Rücken) beim Neugeborenen diskutiert. Um das Risiko einer NRD-Entstehung so weit wie möglich zu senken, wird Frauen, die schwanger werden möchten, oder zumindest mit Beginn der Schwangerschaft eine prophylaktische Folsäureeinnahme von täglich 0,4 mg empfohlen.
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Bei Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren zeigt sich ebenfalls sehr häufig eine unsichere Bedarfsdeckung mit Vitamin B1 (Thiamin), Vitamin B2 (Riboflavin) und Vitamin B6. Eine Unterversorgung mit diesen B-Vitaminen während der Schwangerschaft kann sich in einem niedrigen Geburtsgewicht des Kindes zeigen.

Bei Frauen, die sich längere Zeit vegetarisch ernährten (keine tierischen Lebens- mittel, auch keine Eier, Milch und Milchprodukte), ist häufig eine Vitamin-B12-Gabe erforderlich, da auch die mütterlichen Reserven so weit erschöpft sein können, da der Mehrbedarf in der Schwangerschaft nicht gedeckt werden kann. Die Zufuhr von Vitamin B 12 in Kombination mit Folsäure empfiehlt sich, da durch eine alleinige Folsäuregabe ein Vitamin-B-12-Defizit unentdeckt bleiben kann.

Die Vitamin-C-Versorgung ist bei normaler Mischkost kein Problem. Doch bereits moderates Zigarettenrauchen (ab 5 Zigaretten/Tag) fährt zu einer deutlich reduzierten Verfügbarkeit von Vitamin C. So wird bei Raucherinnen eine Vitamin- C-Ergänzung in der Schwangerschaft empfohlen.

Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung :

Vitamine

Basis-Empfehlung

Einheit

Bedarf in der Schwangerschaft

Folsäure 150 µg 400
Vitamin E 12 mg 14
Vitamin C 75 mg 100
Vitamin B 1 1,1 mg 1,5
Vitamin B 2 1,5 mg 1,8
Niacin 15 mg 17
Vitamin B6 1,6 mg 2,6
Panthothensäure 6 mg 6
Biotin 150 µg 150
Vitamin B12 3 µg 3,5

Beispiel Folsäure :

Während der Schwangerschaft erhöht sich der Tagesbedarf an Folsäure um mehr als 150 % , andere Vitamine werden um 20, 30 oder 60 % vermehrt benötigt !

Wie bei den Vitaminen besteht auch bei einigen Mineralstoffen und Spurenelementen ein erhöhter Bedarf in der Schwangerschaft sowie ein Unterschied zwischen der wünschenswerten Zufuhr und der tatsächlichen Nährstoffaufnahme. Besonders kritisch hinsichtlich einer bedarfsdeckenden Zufuhr in der Schwangerschaft sind Eisen, Zink und Jod

Besonders die Eisenversorgung ist in der Schwangerschaft ohne Zusatzgaben häufig unzureichend. Eisenmangel kann zu Komplikationen in der Schwangerschaft führen (Frühgeburtlichkeit, niedriges Geburtsgewicht des Kindes). Die Eisenresorption aus tierischen Lebensmitteln (Fleisch und Wurstwaren) ist besser als die aus pflanzlichen Lebensmitteln. Für eine gute Eisenresorption ist eine gleichzeitige Vitamin-C-Zufuhr erforderlich.

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Deutschland ist entsprechend der Definition der WHO ein mittelschweres Jodmangelgebiet. Viele junge Mädchen und Frauen weisen bereits vor der Schwangerschaft einen Jodmangel auf, der durch den Mehrbedarf in der Schwangerschaft verstärkt werden kann. Jodmangel führt zur Kropfbildung bei der Mutter und erhöht das Risiko einer Kropfentstehung beim Kind. Die ausschliessliche Verwendung von jodiertem Speisesalz sowie der Verzehr von Seefisch - einmal pro Woche - wird empfohlen. Fachleute empfehlen eine tägliche Zufuhr von 200 mikrog Jod in Tablettenform während der Schwangerschaft als optimale Form der Jodmangelprophylaxe für Mutter und Kind.

Das Spurenelement Zink ist Bestandteil vieler Enzyme im Stoffwechsel des Menschen. Eine schlechte Zinkversorgung wird u. a. mit einem niedrigen Geburtsgewicht in Zusammenhang gebracht. Tierische Lebensmittel wie Fleisch und Milchprodukte sind gute Zinklieferanten.

Eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung ist die beste Voraussetzung für eine gute Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen, insbesondere den Mikronährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen.

Trotz abwechslungsreicher Ernährung können einige Mikronährstoffe wie z. B. Folsäure, Eisen und Jod nicht in ausreichender Menge über die Nahrung aufgenommen werden.

Deshalb ist bei vielen Schwangeren eine Nahrungsergänzung in Form einer Multivitamin-Mineralstoff-Präparates Flüssigkeitszufuhr sinnvoll.

Der Flüssigkeitsbedarf steigt ebenfalls während der Schwangerschaft, da der Körper in dieser Zeit ca. 5 l Wasser einlagert. Empfohlen wird eine Trinkmenge von ca. 1,5 l pro Tag. Geeignet sind Mineral- und Tafelwasser, Früchte- und Kräutertees oder mit Mineralwasser verdünnte Obstsäfte (100 % Fruchtgehalt). Zucker-, koffein- und alkoholhaltige Getränke sollten gemieden werden.

Das Kind ist im Mutterleib sehr empfindlich gegenüber schädlichen Stoffen. Genussmittel wie Alkohol und Nikotin werden über das Blut der Mutter direkt in das Blut des Kindes übertragen. Auf Rauchen sowie auf alkoholische Getränke sollte die Frau während der Schwangerschaft deshalb ganz verzichten.

Wegen des Risikos einer Listeriose (Bakterieninfektion) wird diskutiert, ob Rohmilch und Rohmilchprodukte während der Schwangerschaft ebenfalls gemieden werden sollten. Auch rohes Fleisch ( z.B. Tartar, Mett) oder Rohwurst ( z.B. Teewurst, Mettwurst ) kann zu gefährlichen Erkrankungen wie Toxoplasmose führen. Beide Erkrankungen sind meist harmlos für die werdende Mutter, jedoch können sie beim Ungeborenen schwere Schäden verursachen. Fleisch sollte deshalb auch immer gut gegart bzw. durchgebraten sein.

Medikamente bitte nur nach Rücksprache einnehmen !!

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