Gemäss den Vorgaben der europäischen Leitlinien und der S3-Leitlinien für die Brustkrebsfrüherkennung und der Diagnostik, Therapie und Nachsorge sollte zu 70% vor der definitiven Behandlung eine feingewebliche Diagnosesicherung des suspekten Befundes erfolgen. Hier haben sich als Methoden die Stanzbiopsie und die Vakuumbiopsie durchgesetzt

Über 100 000 Frauen werden jährlich in Deutschland an der Brust operiert, die gar keinen Krebs haben.
Ursache hierfür ist die (veraltete) Meinung: "jeder Knoten muss raus" und "jeder auffällige Mammographiebefund ebenso". Diese Operationen - nur zur Diagnosestellung - sind zu 90% vermeidbar durch die Kombination von mindestens vier Untersuchungsverfahren (= Vierfachdiagnostik = erweiterte sog. Tripeldiagnostik).
Zentraler Punkt der Diagnostik ist die Probeentnahme ohne Operation ("geschlossene Biopsie").
Zur modernen Vierfachdiagnostik (erweiterte Tripel-Diagnostik, Tetradiagnostik) gehören:

  • Ärztliche Tastuntersuchung
  • Mammographie (Röntgenuntersuchung)
  • Sonographie (Ultraschalluntersuchung)
  • Biopsie (Gewebeprobe durch Feinnadelpunktion oder Stanzbiopsie)

Die Stanzbiopsie ( Hochgeschwindigkeits-JET-Biopsie ) ist wie die Feinnadelbiopsie ebenfalls mit nur geringem Aufwand durchführbar. Sie erlaubt, im Gegensatz zur Feinnadelbiopsie, die feingewebliche (= histologische ) Begutachtung des gewonnenen Materials .

Ich führe die Stanzbiopsie mit einer Hochgeschwindigkeitsstanzpistole der Firma BIP durch.

Die Nadel wird unter Ultraschallsicht nach vorheriger örtlicher Betäubung direkt vor den zu biopsierenden Herdbefund geführt.

Die Stanzbiopsie unter Ultraschallsicht stellt einen wesentlichen Fortschritt bei klinisch, sonographisch und mammographisch verdächtigen Herdbefunden dar.
Wenn mit Hilfe der Stanzbiopsie bereits am Aufnahmetag der Patientin das genaue Ergebnis vorliegt, kann der Operateur mit der Patientin die möglichen operativen Vorgehensweise exakt und ausführlich besprechen .

Es können auch an den Stanzzylindern neben der feingeweblichen Untersuchung und der Bestimmung von Östrogen‑ und Progesteronrezeptoren weitere Prognosefaktoren bestimmt werden (Ploidie, S‑Phase, Onkogene: Erb‑B‑2 und Erb‑B‑3 c‑myc, Cathepsin D, p53, pS2, CA 15‑3).

Mit der 3D-Sonographie ergeben sich neue Möglichkeiten zur Beurteilung von Tumoren und zur Steuerung von Stanzbiopsien .
Die Treffsicherheit insbesondere bei der Stanzbiopsie kleinster Tumoren unter 10 mm Durchmesser wird durch die Kontrollmöglichkeit im 3-dimensionalen Raum deutlich höher.

Auch die Feinnadelbiopsie zur Abklärung unklarer Brustveränderungen hat eine weite Verbreitung gefunden, sie ist keineswegs eine nicht mehr genutzte Methode, weil sie möglicherweise durch die Stanzbiopsie verdrängt worden ist.

Aus diesem Grunde setze ich diese Methode auch weiterhin ein .

Die FNP ist insbesondere dann angezeigt, wenn sich eine zystenähnliche Struktur zeigt, die aber auch eine bösartige Läsion darstellen könnte; auch bei gefässnahen Lymphknoten bietet sich die FNP zur Abklärung an.
Der wesentliche Vorteil dieser Methode ist, daß sie ohne Anschaffung teurer Geräte mit geringem Aufwand durchgeführt werden kann.
Sowohl bei tastbaren als auch nicht tastbaren Befunden ist die ultraschallkontrollierte FNP zu empfehlen, um sicherzustellen, daß das punktierte Material aus dem exakt richtigen Areal stammt.

Voraussetzung für die zytologische Befundung des Punktats ist eine große Erfahrung des Zytopathologen, wenn auch bei Mammakarzinomen unter 1 cm Durchmesser richtige zytologische Diagnosen bzw. Verdachtsdiagnosen gestellt werden sollen.

Diese Situation ist in einer renommierten Duisburger Pathologischen Praxis gegeben, in die ich meine Gewebeproben einsende.

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