Östrogene zählen zu den erdgeschichtlich ganz alten Substanzen, sie kommen bereits in einfachen Lebewesen vor, erfüllen bei Pflanzen wichtige Aufgaben („Phytoöstrogene“) und wurden beim Erscheinen der Säugetiere vor circa 40 Millionen Jahren von der Evolution mit der Steuerung reproduktions-biologischer Vorgänge betraut.
Da die Erhaltung der Art zu den wichtigsten Zielen von Mutter Natur gehört, wäre es schwer vorstellbar, dass sie dafür auf „giftige Verbindungen“, wie Östrogene in der Jetztzeit mitunter benannt wurden, zurückgegriffen hätte. Längst wären diese von der Evolution „entsorgt“ worden.

Vor 1816 wurde in der monatlichen Menstruationsblutung die Elimination von Giften gesehen. Mit Ende der Menstruation versuchte man dann die Gifte auf andere Art und Weise zu eliminieren ( Aderlasse, Blutegel... )

In 1816 wurde dann die „Menopause“ also das permanente Ausbleiben der Menstruation erstmalig als solche definiert, vor dieser Zeit gab es dafür keine medizinische Bezeichnung. Der französische Arzt CPL de Gardanne prägte den Begriff „La menespausie“ und verkürzte ihn im Jahr 1821 auf „Menopause“. Jetzt wurde ebenso erstmalig das Vorhandensein von Hormonen vermutet, aber es gab noch keine entsprechende Behandlung

Die erste Eigenbehandlung führt dann im 19. Jahrhundert ein französischer Forscher mit Extrakten aus Affenhoden durch, die er sich selbst injizierte um seine Manneskraft zu stärken. Da dies „erfolgreich“ verlief, wurden dann Extrakte aus Hunde-und Meerschweinchenhoden als manneskraftstärkende Elexiere verkauft.

Für Frauen gab es zu dieser Zeit noch keine entsprechende „Hormonangebote „

In den 30er Jahren konnten Östrogene erstmalig isoliert werden und erst danach begann die Hormontherapie.

1942 wurde das erste Östrogenen offiziell von der FDA ( amerikanische Gesundheitsbehörde ) zugelassen und 1945 begann die Firma Wyeth auf grossen Pferdefarmen in den USA mit der Produktion von Östrogenen aus Pferdeurin ( z. B. gehört dazu das bekannte Präparat Presomen ). Der Erfolg war so gross, das das damalig verfügbare Präparat Premarin das am häufigsten verkaufte Präparat in den USA war.

1966 erschien das Buch „Feminin forever“ in Millionenauflage , wurde dann auch in vielen Sprachen übersetzt. Hier wurde die Hormontherapie als der „Jungbrunnen“ gepriesen, als grösste Errungenschaft der modernen Medizin.

Die Verkaufszahlen für Östrogene gingen massiv nach oben

Der Autor des Buches hatte den Zustand der Menopause als „Krankheit“ bezeichnet, und diese Mangelerkrankung benötige eine entsprechende Behandlung. Somit wurde die Menopause , die ein normales und natürliches Ereignis im Leben einer Frau darstellt umgedeutet in eine Krankheit

Die Medien haben diese Denkweise aufgenommen und für die schnelle Verbreitung gesorgt

Erste Berichte über eine Häufung von Krebserkrankungen der Gebärmutter bei alleiniger Gabe von Östrogenen führten zu einem merklichen Rückgang der Östrogenverschreibungen.

Dazu muss man wissen, dass zu dieser Zeit eine Therapie mit einer bis zu 8fach höheren Dosierung als heute erfolgte, also eine extrem hohe Dosis

Man erkannte, dass die Östrogendosis viel zu hoch gewählt war und verordnete erstmalig auch zusätzlich Gelbkörperhormone ( Gestagene) und prompt nahm die Zahl der Gebärmutterkrebse wieder rapide ab ; die Verschreibung von Östrogen-Gestagen-Präparaten stieg wieder an

Der grosse „Absturz“ der Hormontherapie wurde eingeleitet durch verschiedene Untersuchungsstudien, die entscheidende war die WHI-Studie

Noch in 2001 erschien ein eindrucksvoller Artikel in der WELT zur Hormontherapie zu dem man nach den neuesten Erkenntnissen im Jahre 2014 auch wieder uneingeschränkt stehen kann

in 2002 erschien dann in einer Wissenschaftszeitschrift ein Artikel zur WHI-Studie , der die bis dahin als positiv gewerteten Effekte der Hormontherapie völlig in Frage stellte :

Ein Sturm wurde ausgelöst !!!!!

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