Unter „Screening“ versteht man die regelmässige Durchuntersuchung einer asymptomatischen Bevölkerungsgruppe mit dem Ziel, klinisch noch nicht evidente Brustkrebsfrühstadien zu entdecken. Aufgabe eines Screening-Programmes ist somit die Suche nach einem möglicherweise krebsverdächtigen Befund.

Vor etwa 20 Jahren wurden in verschiedenen westeuropäischen Ländern und den Vereinigten Staaten Mammographie-Screening-Programme entwickelt und umgesetzt.
Die Idee wurde aus der Situation geboren, dass seinerzeit eine flächendeckende Geräteversorgung und eine ausreichende Zahl trainierter Experten für die Befundung nicht verfügbar waren. Methodisch handelt es sich dabei um eine Röntgen-Reihenuntersuchung, in der ein unmittelbarer Arzt-Patientinnen-Kontakt nicht gegeben ist.
Die ärztliche Aufgabe beschränkt sich hier im Wesentlichen auf die serielle Befundung der Röntgenbilder. Ein Dialog mit den das Screening nutzenden Frauen ergibt sich allenfalls im Einzelfall bei weiter abklärungsbedürftigen Befunden.

Es wird davon ausgegangen, dass derartige Programme die Brustkrebssterblichkeit um 20-30 % in der Altersgruppe 50-69 zu reduzieren vermögen.

Die Brustkrebssterblichkeit, die als einziger und wesentlichster Outcome-Parameter von Screening-Programmen evaluiert wurde, ist methodisch mit einer Fülle von Unwägbarkeiten behaftet.

Die Mammographie steht als apparative Untersuchung am Anfang einer Versorgungskette, der Tod durch Krebserkrankung steht am Ende derselben . Dazwischen liegt eine Reihe diagnostischer und therapeutischer Folgeschritte sowie eine Palette von Nachsorgemaßnahmen mit einem erheblich modifizierenden Einfluss auf das Ausmaß der Brustkrebsmortalität.

In der Vergangenheit wurden diese Faktoren und deren permanenter Wandel in den Screeningstudien nicht ausreichend oder gar nicht berücksichtigt . So zeigen neuere Analysen, dass zum Beispiel die Senkung der Brustkrebs-Mortalitätsrate in England und Wales von 21,3 % in der Altersgruppe von Frauen 55-69 Jahren zu 6,4 % dem bestehenden Screeningprogramm und zu 14,9 % der Behandlung und anderen Faktoren zugerechnet wird .

Offiziell wurde das Mammographie-Screening ( = die Röntgenreihen-Untersuchung der Brust ) als Programm zur Früherkennung von Brustkrebs am 1. Januar 2004 in Deutschland eingeführt.
Jede Frau zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr hat seitdem Anspruch darauf, alle zwei Jahre zu einer Untersuchung eingeladen zu werden. Das Ziel: Brustkrebs soll frühzeitig entdeckt werden, dann, wenn noch keine Anzeichen für diese Erkrankung vorliegen, etwa ein tastbarer Knoten.
Für die Umsetzung dieses Programms haben die Gesundheitsministerien der einzelnen Bundesländer die Rechtsaufsicht.
Die eigentliche Umsetzung liegt bei der so genannten Selbstverwaltung, bestehend aus den jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen des Bundeslandes.

Es gibt eine Reihe von Argumenten, das Prinzip der klassischen Screening-Mammographie im Sinne einer ausschließlichen Röntgen-Reihenuntersuchung ( wie dies in Holland , England oder Schweden erfolgt ) als nicht mehr zeitgemäße Form einer vielfach wohnortfernen und mechanistischen Fließbandmedizin zu verlassen.

Die Selbstbestimmung der Frau, die informierte Entscheidung und der partnerschaftliche Dialog zwischen den an einer Früherkennung interessierten Frauen und den hierfür verantwortlichen Ärztinnen und Ärzten ist in einem derartig organisierten System nicht gewährleistet. Es fehlt die notwendige Risikoberatung und die ärztliche Begleituntersuchung.

Der mit diesem System verbundene Verzicht auf eine ärztliche Begleituntersuchung führt dazu, dass 5-10 % schon tastbarer Tumoren wegen der besonderen feingeweblichen Struktur des Tumors oder schwer zugänglicher Lokalisation mammographisch nicht darstellbar sind und daher als schicksalhaft fehldiagnostiziert ( also nicht erkannt worden ) in diesem Konzept akzeptiert werden

Brustkrebs-Früherkennung ist nicht gleichzusetzen mit dem Begriff des Mammographie-Screening.

Das Mammographie-Screening ist lediglich ein erster, wesentlicher Schritt in ein wirksames Früherkennungsprogramm.

Neben der Mammographie gehören zur Früherkennung außerdem

  • Risikoberatung,
  • Anleitung zur Selbstuntersuchung,
  • klinisch-ärztliche Untersuchung,
  • apparative Zusatzdiagnostik bei unklaren Mammographiebefunden,
  • interventionelle Gewebs-Entnahmetechniken,
  • operative Abklärung und schließlich die pathohistologische Befundung.

Da Früherkennungsuntersuchungen und -methoden primär gesunde Frauen betreffen, sind die Prinzipien der informierten Selbstbestimmung und der Beteiligung an medizinischen Entscheidungen besonders hoch anzusetzen

viele Experten der Mammographie haben sich inzwischen zu der geplanten Massnahme geäussert und dies durchgehend mit reichlich Kritik . Hier nur einige Äußerungen:

„ ... das GKV_MG-Screening ist eher eine PR-Massnahme der Politik und der Krankenkassen als eine wirkliche effektive Massnahme : Wer ein Programm auf den Alterszeitraum zwischen 50 und 69 Jahren begrenzt, wer die Intervalle auf gefährliche 2 Jahre einstellt und damit tückische Intervallkarzinome vernachlässigt, propagiert von Staats wegen eine trügerische Sicherheit . Gerade jüngere Frauen haben heute ein wachsendes Risiko zu erkranken. Und auch Ältere können krank werden. Schliesslich treten die Hälfte aller Brustkrebse bei Frauen auf, die unter 50 und über 69 Jahren sind . Was ist mit diesen Frauen ? das sind dann wohl die Opfer eines bankrotten Gesundheitssystems, dessen schwindende Kräfte gerade noch ausreichen, die Spitzen riesiger Eisberge PR-wirksam abzudecken. Das Gesundheitssystem gaukelt hier eine Effizienz vor, die es in Wirklichkeit schon lange nicht mehr hat. Bei einem erfolgreichen Screening ( d.h. bei einer Beteiligungsrate der Frauen von mehr als 70 % ) bedeutet die 1:1 Übernahme des niederländischen ( vielgelobt !?) Screening-Programmes, das wir sehenden Auges eine 30-40%ige Intervallkarzinomrate in Kauf nehmen. Wir setzen die Frauen mit der Einladung zur Beteiligung am Screening diesem Risiko aus....“

„... Beunruhigend ist die wachsende Zahl jüngerer Frauen, die erkranken und deshalb stellt sich die Frage: was ist mit den Frauen unter 50 Jahren ? Diesen Frauen wird eine trügerische und oft falsche Sicherheit vorgegaukelt....“

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