Nachdem die Voruntersuchungen abgeschlossen sind, kann die gezielte Behandlung beginnen. Das endgültige komplette Behandlungskonzept kann allerdings erst nach der Operation beurteilt werden. Scheuen Sie sich nicht, nachzufragen, wenn Sie nicht alles verstehen!

Hinter dem Begriff Brustkrebs verbergen sich sehr unterschiedliche Tumorarten. Mit den Detailkenntnissen aus den Untersuchungen wird gemäss den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen ein maßgeschneiderter Therapieplan für Sie erstellt.

In diesen Plan fließt ein, wie groß und welcher Art der Tumor ist, welche Differenzierung ( sog. Grading) die Tumorzellen haben (das heißt, wie stark sie entartet sind), ob der Tumor bestimmte Rezeptoren enthält und ob sich die Krebszellen schon in die Achsellymphknoten oder in andere Organe ausgebreitet haben.

Außerdem ist wichtig, wie alt Sie sind, wie Ihr allgemeiner gesundheitlicher Zustand ist und ob Sie noch Regelblutungen haben.

Und nicht zuletzt müssen Ihr Arzt und Sie gemeinsam abwägen, welche Nebenwirkungen für Sie tragbar sind und bei welcher Behandlung Ihre Lebensqualität am besten erhalten wird. Denn die Therapie sollte so sanft und zugleich so effektiv wie möglich sein.

Heute ist es bei den meisten Brustkrebs-Patientinnen möglich, bei einer Operation die Brust zu erhalten. Früher war das anders: Lange Zeit war die Abnahme der Brust die einzige Behandlungsmöglichkeit. Große Studien, die zum Teil seit den 70er Jahren liefen, haben gezeigt, dass oft ohne diese radikale Maßnahme gleich gute Heilungschancen bestehen. Ergänzende medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten werden evtl. folgen müssen.

Liegt der Tumor einzeln, örtlich begrenzt wachsend und ist er maximal zwei Zentimeter groß, sind die ersten Bedingungen für eine brusterhaltende Operation erfüllt. Auch größere Tumore können unter Umständen so operiert werden.
Wenn der Tumor zu groß für eine brusterhaltende Therapie ist, kann er möglicherweise durch eine sogenannte neoadjuvante Chemotherapie behandelt werden: Dabei soll durch eine vorgeschaltete Chemotherapie der Tumor so stark verkleinert werden, dass er anschließend operiert werden kann.
Bei der Operation wird meist ein kosmetisch günstiger Bogenschnitt gemacht und ein ausreichender Rand aus gesundem Gewebe erhalten. Bereits während der Operation kann das Tumorgewebe feingeweblich untersucht werden. Durch diesen "Schnellschnitt" erfährt der Chirurg z. B., ob die Geschwulst vollständig entfernt wurde. Dieses Ergebnis ist aber nur vorläufig; erst nach einer ausführlichen Aufbereitung des Gewebes steht fest, ob die brusterhaltende Operation ausreichend war.

Für den Verlauf der Erkrankung ist es sehr wichtig zu wissen, ob schon Brustkrebs- Zellen ins Lymphsystem vorgedrungen sind. In der Regel werden deshalb während der Operation auch Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt und feingeweblich untersucht.

Ein neuartiges Verfahren ist die „Sentinel-Technik“ . Durch Gabe eines Farbstoffes in den Tumor wird festgestellt, welcher Lymphknoten der Wächterknoten (Sentinel = engl. Wächter) ist: Der erste, der angefärbt wird, hat die Funktion des vordersten Lymphknotens der Region übernommen. Der Sentinel wird herausgenommen und feingeweblich untersucht. Finden sich keine Tumorzellen in ihm, so ist in 95 Prozent der Fälle die gesamte Achselhöhle tumorfrei. Eventuell müssen dann nicht alle Lymphknoten entfernt werden.

Leider kommt es immer noch vor, dass die Brust nicht erhalten werden kann und der Operateur sie komplett einschließlich der Brustwarze entfernen muss.

Diese Operation bietet im Zweifelsfall die höchste Sicherheit, dass wirklich die gesamte Geschwulst entfernt wurde.
Nach einem solchen Eingriff möchten die meisten Frauen die fehlende Brust schnell und so gut wie möglich ersetzen. Bereits kurz nach der Operation kann eine leichte Watteeinlage im BH-Körbchen, eine BH-Prothese, getragen werden. Äußerliche Dauerprothesen bestehen dann aus Silikon und werden der verbliebenen Brust angepasst. In Gewicht und Beweglichkeit sind sie dem Brustgewebe ähnlich und unauffällig zu tragen.
Innerliche Brustprothesen, Implantate, bestehen aus einer Kunststoffhülle gefüllt mit Silikongel oder Salzlösung und werden unter der Haut eingelegt. Diese Operation kann gleich mit derjenigen zur Brustentfernung verbunden werden. Oder sie folgt erst ein halbes Jahr nach der ersten Operation, wenn sich die Haut wieder vollständig erholt hat. Auch die Brustwarze kann durch Hautverpflanzung nachgeahmt werden.

Eine weitere Möglichkeit ist der Wiederaufbau der Brust mit Eigengewebe.Haut-und Muskelgewebe anderer Körperregionen - Rücken, Oberbauch oder Gesäß - werden dabei in die Brustregion verschoben oder verpflanzt. Diese Operation ist allerdings für den Körper belastender als das Einsetzen eines Implantats.

Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre Wünsche, Vorstellungen und Ängste. Sie finden sicher gemeinsam eine Lösung, mit der Sie sich weiter als Frau fühlen können. Manchmal ist der Wunsch des operierenden Arztes nach Wiederaufbau der Brust stärker als der der Frau selbst. Lassen Sie sich Zeit mit der Entscheidung, sprechen Sie ggf. mit anderen Frauen, die Erfahrung haben. Auch später sind Brustaufbauten gut möglich.

Weil sich die Behandlungsmethoden derzeit schnell weiter entwickeln, muss jeder verantwortlich handelnde Arzt seine Erfahrung ständig erweitern - zum Beispiel durch die Erkenntnisse aus Klinischen Studien.

Es gibt Konstellationen, die sich aus der Gesamtanalyse aller Untersuchungsergebnisse im Rahmen der Krebserkrankung ergeben, die es sinnvoll machen, an einer Studie teilzunehmen.

Durch diese sorgfältig durchgeführten Studien soll für jede Patientin die optimale Therapie gefunden werden und neue Therapieverfahren rasch allen betroffenen Patientinnen zugute kommen.

Ihr Ablauf ist streng geregelt: Das obligatorische wissenschaftliche Protokoll, also das ganze Konzept einer Studie, muss durch ein spezielles Gremium, die Ethik-Kommission, genehmigt werden, und Sie müssen schriftlich Ihr Einverständnis nach ausführlicher Aufklärung zur Teilnahme geben.

Bei der Therapie im Rahmen einer Studie können Sie sicher sein, dass die medizinische Versorgung engmaschig ist und ihre Qualität von vielen kompetenten Ärzten kontrolliert wird. Nur Sie selbst können entscheiden, ob Sie an einer klinischen Studie teilnehmen möchten. Fragen Sie Ihren Arzt genau nach den Bedingungen der vorgeschlagenen Studie.

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