Ich werde versuchen, die am häufigsten gestellten Fragen zur Pille zu beantworten, aber es gibt unzählige weitere wichtige Fragen, die es in bestimmten Lebenssituationen zu beantworten gibt. Dies würde jedoch den Rahmen einer Homepage „sprengen“ .
Bei speziellen Fragen sollte ein Termin in der Praxis gemacht werden und bei Terminabsprache schon einmal das Hauptanliegen kurz mitgeteilt werden

1960 wurde das erste orale Kontrazeptivum („die Pille“) in den Vereinigten Staaten zugelassen. Kurze Zeit später – am 1.Juni 1961 - folgte in Europa die Einführung der von Schering entwickelten Pille Anovlar®. Zu diesem Zeitpunkt wurde die neue Hormonpille nur an verheiratete Frauen mit Zustimmung ihres Ehemanns verschrieben. In der Gesellschaft herrschte die Meinung vor, dass unverheiratete Frauen keinen Geschlechtsverkehr haben sollten und darum auch keine Kontrazeption „benötigten“. In den 1970er Jahren führten der Wegfall von Tabus, die sexuelle Befreiung und die Selbstbestimmung der Frau in Bezug auf die Schwangerschaftsverhütung zu einer schnellen Verbreitung der Pille

Orale Kontrazeptiva ermöglichten es erstmals, selbst darüber zu bestimmen, ob und wann man schwanger werden wollte. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit konnte Sexualität frei von der Sorge um ungewollte Nachkommenschaft genossen werden – ein uralter Traum der Menschheit.

Es ist ein Medikament, dass eine synthetisches Östrogen und ein Gelbkörperhormon enthält; das sind Hormone , die in ähnlicher Weise vom Eierstock produziert werden.
In allen Präparaten findet sich als Östrogen-Anteil das synthetische Ethinylöstradiol, das in seiner Konzentrationsmenge variiert. Natürliche Östrogene eignen sich nicht zur Verhütung, da sie zu schnell abgebaut werden.
Der Gelbkörperhormon-Anteil (Gestagen) der Pillen unterscheidet sich:
es gibt mehr als 12 unterschiedliche Gestagene, die auch in ihren individuellen Teilwirkungen therapeutisch zum Einsatz kommen, beispielsweise zur Behandlung einer Androgenisierung (= Vermännlichung insbesondere durch vermehrten Haarwuchs an nicht gewünschten Körperregionen )
Nach Wirkungsweise oraler Kontrazeptiva wird unterschieden zwischen Ovulationshemmern (Östrogen-Gestagen-Kombinationen) und Präparaten, die die Ovulation nicht zuverlässig unterdrücken, sondern vorwiegend durch lokale Wirkungen eine Schwangerschaft verhindern (gestagenhaltige Minipille).

Die Pille bietet Frauen einen sehr hohen Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft. Bei regelmäßiger Einnahme schützt sie auf dreifache Weise vor einer Schwangerschaft:

  • In den Eierstöcken (Ovarien) wird der Eisprung (Ovulation) verhindert; es reifen keine befruchtungsfähigen Eizellen heran.
  • Der Schleimpfropf am Gebärmutterhals bleibt undurchlässig und verhindert so das Eindringen der Samenzellen (Spermien).
  • Durch den Einfluss der Hormone in der Pille verändert sich die Gebärmutterschleimhaut, sodass sich eine befruchtete Eizelle erst gar nicht in die Gebärmutter einnisten kann.

Bei korrekter, beziehungsweise typischer Anwendung kommt es in Europa zu 0,3 beziehungsweise 1 Schwangerschaft pro 100 Frauenjahre (Pearl Index = Versagerquote).

Kombinationspräparate

Kombinationspräparate sind die am häufigsten verschriebenen oralen Kontrazeptiva. Sie sind Ovulationshemmer und enthalten täglich Ethinylöstradiol und ein bestimmtes Gestagen.

Je nach zeitlichem Dosierungsablauf der Komponenten unterscheidet man monophasische Kombinationspräparate (Einphasenpräparate) und modifizierte Kombinationspräparate mit Zwei- oder Dreistufenpräparaten.

Monophasische Kombinationspräparate

Monophasische Kombinationspräparate (Einphasen-Präparate) enthalten täglich Ethinylöstradiol und Gestagen in gleichbleibender Dosis. In modernen Präparaten, sog. Mikropillen, ist die Östrogendosis zur Verringerung von Risiken möglichst niedrig gewählt.

Modifizierte Kombinationspräparate

In modifizierten Kombinationspräparaten (Zwei-oder Dreistufenpräparate) variiert die Dosis des Gestagens und ggf. des Östrogens in den verschiedenen Einnahmephasen. Zweistufenpräparate weisen in der ersten Einnahmephase eine niedrigere Gestagendosis auf, die nachfolgend erhöht wird Bei Dreistufenpräparaten steigt die Gestagendosis in zwei Schritten bis zur höchsten Dosis in den letzten sieben bis zehn Tagen an. Sie unterdrücken die Ovulation und verändern den Zervikalkanal durch eine Veränderung des Schleims, sodass die Spermienbeweglichkeit deutlich beeinträchtigt ist

Sequenzpräparate

Sequenzpräparate (Zweiphasenpräparate) enthalten in den ersten sechs bis sieben Tagen nur Ethinylöstradiol, sodass die Gestagengesamtdosis weiter reduziert ist . Um die Verhütungs-Sicherheit zu gewährleisten, dauert die Gestagenphase 15 Tage (Transformationsdosis). Zusätzlich ist bei Sequenzpräparaten Ethinylöstradiol mit 50 µg dosiert.

Neue Pille mit natürlichem Estrogen

Seit 2009 befindet sich ein Kombinationspräparat in Deutschland auf dem Markt, das an Stelle von Ethinylestradiol (EE) das „natürlicheÖstrogen Estradiolvalerat (E2 V) enthält. In Kombination mit dem Gestagen Dienogest (DNG) ist es unter dem Namen Qlaira® erhältlich

Pflaster

Bislang nicht etabliert hat sich in Deutschland dagegen das Pflaster mit Ethinylestradiol und Norelgestromin (NGMN) - überwiegend wegen häufig schlechter Klebeeigenschaften des Pflasters und allergischen Hautreaktionen bei bis zu 16% der Anwenderinnen

Vaginalring

In den letzten Jahren wurden auch verschiedene nicht orale Estrogen-Gestagen-Kombinationspräparate entwickelt. Hierdurch soll vor allem eine kontinuierliche Hormonabgabe, ein verbesserter Metabolismus und eine hohe Compliance erzielt werden. Mit der Entwicklung des Vaginalringes mit Ethinylestradiol/Desogestrel war dies möglich. Die Akzeptanz des Ringes ist gerade bei jüngeren Frauen hoch. Ausführlichere Beschreibung im Extrakapitel

Gestagen-only-Systeme ( = Reine Gestagen-Pille)

"Gestagen-only"-Systeme ( Progestin-only-pills, POPs) haben Vorteile für Frauen, bei denen Kontraindikationen zu Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten bestehen oder die unter zyklusabhängigen Beschwerden, wie z. B. menstruelle Migräne, Unterbauchschmerzen oder Mastodynie leiden.
Allen Gestagen-only-Systemen, sowohl den oralen als auch den nicht oralen, ist eigen, dass die unter der Einnahme auftretenden Blutungsmuster nicht vorhergesagt werden können.
Es können lang dauernde Amenorrhöen sein, rhythmische Blutungen, aber auch vollkommen azyklische oder dauerhafte Blutungen verschiedener Stärke.
Wir müssen dabei unterscheiden:
Einerseits die typische "Minipille" mit 0,03 mg Levonorgestrel, die keine Ovulationshemmung bewirkt und daher stets pünktlich eingenommen werden muss.
Andererseits die östrogenfreie Pille mit 0,75 mg Desogestrel („Cerazette“) , die die Ovulation vollständig hemmt und analog den Kombinationspräparaten in einem Zwölf-Stunden-Zeitfenster eingenommen werden kann. Beide sind für die Stillzeit zugelassen.

Ein für die Patientin meist als sehr belastend empfundener Nachteil reiner Gestagenpräparate kann das gehäufte Auftreten von Durchbruchblutungen sein. Wie bei herkömmlichen Kombinationspräparaten liegt diesem meist ein Mangel an Östrogen zugrunde, das der Zyklusstabilisierung dient. Bleibt die Durchbruchblutung über den dritten Einnahmemonat hinaus bestehen, sollte auf ein Kombinationspräparat umgestellt werden, sofern dafür keine Kontraindikationen bestehen

Bei den meisten Pillen folgt nach 21-tägiger Einnahme eine 7-tägige Pillenpause, die ein Absinken des Hormonspiegels verursacht und zur sogenannten Abbruchblutung (das Ablösen der obersten Schicht der Gebärmutterschleimhaut) führt. Diese Blutung ist meist wesentlich schwächer und weniger schmerzhaft als die Menstruationsblutung einer Frau ohne Pilleneinnahme. Typischerweise tritt diese Blutung etwa zwei bis drei Tage nach der letzten Tabletteneinnahme ein

Ähnlich wie die Estrogenkomponente blieb auch das Einnahmeschema hormoneller Kontrazeptiva über Jahrzehnte unverändert bei ,,21 plus 7".

Die siebentägige Pause war seinerzeit deshalb notwendig, um die mit starker Ethinylestradiol-Dosis (bis zu 100 µg) hoch aufgebaute Gebärmutterschleimhaut abbluten zu lassen.
Vor knapp einem Jahr wurde eine "Pille" mit dem Applikationsschema
,,24/4" eingeführt (YAZ). Sie enthält 20 µg Ethinylestradiol und 3 mg Drospirenon.
In der Erprobung sind Kombinationspräparate mit noch längeren Zyklen.

Durch die kontinuierliche Einnahme von monophasischen KOK (ohne hormonfreies Intervall HFI) kann die Hormonentzugsblutung
für eine beliebig lange Zeitdauer verhindert werden. Diesen Vorteil nutzen nicht nur Frauen, die unter hormon- oder menstruationsabhängigen Beschwerden leiden, sondern in zunehmendem Maße auch Frauen, die aus Gründen der Lebensqualität über einen längeren Zeitraum blutungsfrei bleiben möchten. Auch wenn in Europa, anders als in den USA, noch kein Langzykluspräparat zugelassen ist, gibt es eine umfangreiche Erfahrung mit der Off-label-Langzyklustherapie

Das Schwangerschaftsrisiko ist am höchsten, wenn Tabletten zu Beginn der ersten oder am Ende der letzten Einnahmewoche vergessen werden, weil hierdurch das HFI (hormonfreies Intervall) verlängert wird, in dem es zum Heranreifen neuer Eizellen kommt
Um zu klären, welche Massnahmen zu treffen sind, sollte hier unbedingt ein Beratungsgespräch erfolgen, da es sehr davon abhängt, in welcher Einnahmewoche eine ( oder mehrere Pillen) vergessen wurden

Bei der Erstverschreibung der Pille ist man häufig mit jungen Mädchen konfrontiert. Nach Ausschluss möglicher Risikofaktoren empfiehlt es sich, zur sicheren und unkomplizierten Kontrazeption mit einem Kombinationspräparat zu beginnen. Von der naheliegenden Vermutung, speziell sehr jungen Mädchen ein Präparat mit möglichst niedriger Ethinylestradiol-Dosis zu rezeptieren, sollte jedoch Abstand genommen werden.

Siehe nachfolgendes Kapitel

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KOK haben neben ihrer kontrazeptiven Wirkung zahlreiche günstige Zusatzeffekte, die therapeutisch genutzt werden können.
Etwa 10 % der Frauen im gebärfähigen Alter leiden an einer Hypermenorrhö (uteriner Blutverlust > 80 mL/Menstruation), wobei ältere Frauen häufiger betroffen sind. Bei diesen Frauen wird die Blutungsstärke um mindestens 50 % reduziert. Dementsprechend wird die Pille bereits seit langer Zeit zur Behandlung der Hypermenorrhö =verstärkte Menstruationsblutung) eingesetzt. Ende letzten Jahres erhielt in Deutschland erstmals ein KOK die Zusatzindikation „Therapie
starker Regelblutungen“. Bis zu 90 % aller jungen Frauen leiden unter Dysmenorrhö ( = Schmerzen während der Menstruation) , welche meist durch starkes Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur ausgelöst wird. Die Einnahme von Kombinationspräparaten führt bei bis zu 80 % der Frauen
zur deutlichen Besserung. Besonders günstig erscheint in diesem Zusammenhang die Induktion einer Amenorrhö ( d.h. keine Menstruation tritt ein ) durch Verlängerung der Einnahmedauer von KOK (Langzyklen beziehungsweise
kontinuierliche Einnahme ohne HFI). Auch die Insertion des Gestagen-Implantats und des Gestagen-Intrauterinpessars haben einen günstigen Effekt auf die Dysmenorrhö, obwohl es zu unregelmäßigen uterinen
Blutungen kommen kann. Mindestens 10 % aller Frauen im reproduktiven Alter und die meisten Patientinnen mit chronischen Unterbauchschmerzen leiden an einer Endometriose. Die damit verbundenen Beschwerden lassen sich vor allem durch die kontinuierliche beziehungsweise Langzyklus-
Einnahme von monophasischen KOK bessern. Nach operativer Sanierung der Endometriose kann die Behandlung mit KOK die Rezidivrate der Endometrioseherde und -zysten sowie die Beschwerden langfristig reduzieren
KOK werden häufig zur Behandlung von Akne und Hirsutismus eingesetzt. Das prämenstruelle Syndrom (PMS) ist charakterisiert durch affektive Störungen (Reizbarkeit, Angstzustände, Aggressivität, depressive Verstimmungen), die oft mit vegetativen Beschwerden (Blähungen,
Kopfschmerzen) sowie Gewichtszunahme und Ödemen verbunden sind. Unter der Einnahme von KOK können Intensität und Häufigkeit einzelner Symptome abnehmen.

Ihren wohl wichtigsten therapeutischen Ansatz findet die Pille in der Behandlung zyklusbedingter Erkrankungen. Diese können von Dysmenorrhö und zyklusabhängigen Kopfschmerzen über das prämenstruelle Syndrom bis hin zu seltenen katamenialen Erkrankungen (z. B. Epilepsie) reichen. In solchen Fällen können eine Verkürzung des pillenfreien Intervalls wie bei den neuen 24+4Tage-Einnahme-Schemata (Yaz®) oder auch die Off-Label-Anwendung von COCs im Langzyklus die Symptome erheblich lindern oder sogar eliminieren. Dabei wird das herkömmliche 21+7-Tage-Einnahme-Schema durchbrochen und die Pille drei bis sechs Monate kontinuierlich eingenommen. Auch zur Behandlung Endometriosebedingter Schmerzen kann der Langzyklus erfolgreich angewandt werden.

Hautprobleme und Haarausfall sind häufige Gründe für Frauen, sich die Pille verschreiben zu lassen.

Während frühere Kontrazeptiva mit 50 µg Ethinylöstradiol über eine Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems relevante Blutdruckerhöhungen verursachen konnten, üben moderne, niedrig dosierte Präparate mit 30 µg Ethinylöstradiol in der Regel keinen wesentlichen negativen Einfluss aus. Bestehen aber gleichzeitig Risikofaktoren wie Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie oder Adipositas, können auch die geringgradigen Einflüsse heutiger Kontrazeptiva einen Bluthochdruck verursachen. Die Blutdruckmessung vor Verordnung und während der Einnahme oraler Kontrazeptiva ist deshalb unerlässlich. Kombinationen mit dem Gestagen Drospirenon können möglicherweise einen günstigen Einfluss ausüben. Bei Frauen unter 35 Jahren mit einem gut eingestellten Hypertonus, die ansonsten gesund sind und nicht rauchen, kann ein niedrig dosiertes Kombinationspräparat oder ein reines Gestagenpräparat verordnet werden, wenn eine Alternative zur oralen Kontrazeption nicht gewünscht ist.

Bei der fokal nodulären Hyperplasie (FNH) handelt es sich um eine seltene gutartige Erkrankung ,die üblicherweise bei beschwerdefreien Frauen diagnostiziert wird und selten mit Komplikationen einhergeht. Es ist fraglich, ob die Einnahme von KOK einen Einfluss auf Größe oder Anzahl der FNH haben. Leberzelladenome sind bei jungen Frauen extrem selten, dies gilt auch für Langzeitanwenderinnen von niedrigdosierten KOK . Das Risiko scheint von der Einnahmedauer und der EE-Dosis abhängig zu sein. Wird während der Einnahme eines KOK die Diagnose eines Leberzelladenoms gestellt, sollte die Behandlung beendet werden.

Die Wirksamkeit von KOK kann bei gastrointestinalen Störungen oder unter einer Antibiotikatherapie gefährdet sein. Auch wenn in einer kürzlich publizierten Studie kein Einfluss der Antibiotika gefunden wurde, gilt die Empfehlung, bei gleichzeitiger Einnahme von Antibiotika und KOK zusätzliche kontrazeptive Maßnahmen (Barrieremethoden) zu ergreifen.

der Beginn der Notwendigkeit einer Kontrazeption ist mit der Aufnahme des Geschlechtsverkehrs – beziehungsweise einige Zeit davor – einfach zu definieren. Der Endpunkt ist individueller zu bewerten. Ein möglicher Orientierungspunkt ist der 52. Geburtstag, das mittlere Menopausenalter. Er ist primär abhängig von der Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft trotz der grundsätzlich niedrigen Konzeptionschance in der fünften Lebensdekade. Bei einer ansonsten gesunden Anwenderin gibt es keinen Grund, eine seit mehreren Jahren eingenommene kombinierte orale Kontrazeption frühzeitig zu beenden.

Immer mehr Frauen wollen die „Pille“ länger einnehmen, nicht um zu verhüten, sondern weil sie sich unter Hormonen besser fühlen. Damit vollziehen sie letztlich den stillen Übergang von der hormonellen Kontrazeption zu einer Hormontherapie. Bestehen keine Kontraindikationen, ist das aus medizinischer Sicht durchaus zu verantworten. Auch Patientinnen in der Perimenopause, die sich eine sichere Kontrazeption wünschen, können in der täglichen Praxis Probleme aufwerfen. Generell ist – nach Ausschluss möglicher Kontraindikationen – jedes niedrig dosierte COC für Frauen über 40 Jahre anwendbar. Sollten jedoch erste Symptome eines klimakterischen Syndroms vorliegen, muss man genauer abwägen: Zum einen gibt es für die zur Hormonsubstitution zugelassenen Präparate keinen Nachweis auf sichere kontrazeptive Wirkung, zum anderen ist Ethinylestradiol in der Therapie klimakterischer Beschwerden Estradiol und Estradiolvalerat meist unterlegen.

Bei gesunden Frauen im fertilen Alter ist die Inzidenz der venösen thromboembolischen Erkrankungen (VTE) mit etwa 4–5/10000 Frauen pro Jahr sehr gering. Während der Einnahme von KOK kommt es aufgrund des hepatischen Effekts des EE zu Veränderungen der Gerinnungs- und Fibrinolysefaktoren. Diese Effekte tragen dazu bei, dass das Risiko während der Einnahme von KOK auf 9–10/10 000 Frauenjahre ansteigt, wobei es mit der Östrogen-Dosis zusammenhängt und in den ersten Monaten der Behandlung am höchsten ist. Im Vergleich dazu liegt das Risiko während einer Schwangerschaft bei 29/10 000 und in der Nachgeburtsperiode bei 300–400/10 000 Frauenjahren. Es gibt Hinweise darauf, dass die Gestagenkomponente das Östrogenbedingte Risiko für venöse Thrombosen modifizieren kann. So fand sich bei Kombinationspräparaten mit Desogestrel, Gestoden und Cyproteronacetat ein höheres Risiko als mit Levonorgestrel-haltigen KOK . Allerdings gibt es hierzu auch widersprüchliche Daten. Weitere Faktoren, die das Risiko für eine venöse Thrombose unter KOK-Anwendung weiter steigern, sind Alter, Übergewicht, Immobilisation und Rauchen, während moderater Alkoholkonsum das Risiko reduziert

Bei belasteter Familien- und Eigenanamnese sowie bei verschiedenen genetischen oder erworbenen Thrombophilien ist das Basisrisiko einer venösen Thrombose bereits deutlich erhöht. Wenn betroffene Frauen KOK einnehmen, steigt es stark an. So ist es bei Frauen mit heterozygoter Faktor-V-Leiden- Mutation (Vorkommen etwa 5 %) oder Prothrombinmutation während der Einnahme von KOK etwa sieben- beziehungsweise zehnfach erhöht . Dennoch ist ein allgemeines Screening wegen der ungünstigen Kosten-Nutzen-Relation nicht gerechtfertigt

KOK sind mit einer Zunahme von Gebärmutterhalskrebs assoziiert, wobei hier nur Frauen mit einer persistierenden HPV-Infektion betroffen sind. Das Vorkommen von Gebärmutter- und Eierstockkrebs wird um 30–50 %, die des Darmkrebses um 20–30 % vermindert.. Das Vorkommen anderer Krebserkrankungen wird durch KOK offenbar nicht beeinflusst.

Für folgende Krebserkrankungen wurde keine Risikoerhöhung durch die Behandlung mit KOK gefunden: Schilddrüsen-, Bronchial-, Speiseröhre-, Magen-, Bauchspeicheldrüse-, Gallenblasen- Nierenzellkarzinom, Neuroblastom, Melanom sowie Hodgkin- und Non-Hodgkin- Lymphom

Zahlreiche Studien der letzten Jahre kamen zu dem Schluss, dass KOK keinen oder allenfalls marginalen Einfluss auf das Risiko des Brustkrebs haben. Das absolute Risiko ist gering: Wenn zum Beispiel Frauen im Alter von 25 Jahren für fünf Jahre KOK anwenden, so werden im Zeitraum bis zehn Jahre nach Absetzen insgesamt fünf zusätzliche Brustkrebsfälle (49 statt 44 Fälle) pro 10 000 Frauen diagnostiziert, wobei es sich meist um lokalisierte, das heißt nicht metastasierte Brustkrebse handelt. Innerhalb von zehn Jahren nach Absetzen verschwindet das Risiko wieder

Hier sind noch nicht alle Fragen beantwortet. Die Hypothese, wonach Kombinationspräparate die Milchproduktion möglicherweise vermindern, konnte somit nicht bestätigt werden. Ein Sachverhalt scheint klar zu sein : Das Säuglingswachstum war in keinem Fall durch den Einsatz hormoneller oraler Kontrazeptiva beeinträchtigt

Bei geplanten Operationen mit hohem Thromboserisiko sollten KOK vier bis sechs Wochen vorher abgesetzt werden, um die veränderten Hämostaseparameter zu normalisieren. Im Gegensatz zu den KOK scheinen Gestagen-Monopräparate (Minipille mit Levonorgestrel oder Desogestrel, Gestagen-Intrauterinpessar) das Thromboserisiko nicht zu erhöhen

Die Schwangerschaftsraten von 83 beziehungsweise 94 % innerhalb von sechs beziehungsweise zwölf Monaten nach Absetzen eines KOK entsprechen denen nach Beendigung von Barrieremethoden. Die langfristige Anwendung von KOK scheint die Fertilität sogar zu verbessern, möglicherweise aufgrund der Protektion gegenüber aszendierenden Genitalinfektionen.

Je nach Reisziel muss hier verschieden vorgegangen werden. Das muss eingehend besprochen werden

Etwa 5% aller Frauen im Reproduktionsalter leiden regelmäßig unter Migräne. Bis zu 60 % dieser Frauen bringen die Migräneattacken mit ihrer Menstruation im Verbindung, 14% ausschließlich damit.

Orale hormonale Kontrazeptiva erhöhen die Gefahr zerebrovaskulärer Ereignisse bis hin zum Schlaganfall bei Migräne ohne Aura um das Vierfache, mit Aura um das Sechsfache. Bei Migräne mit Aura darf keine Pille genommen werden; auch bei alleiniger Gestagengabe steigt das Risiko

Laut Warnhinweis der Gebrauchsinformation „besteht bei Raucherinnen, die östrogen-gestagenhaltige Arzneimittel anwenden, ein erhöhtes Risiko, an zum Teil schwerwiegenden Folgen von Gefäßerkrankungen (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall) zu erkranken. Das Risiko nimmt mit zunehmenden Alter und steigendem Zigarettenkonsum zu. Frauen, die älter als 30 Jahre sind, sollten deshalb nicht rauchen, wenn sie östrogen-gestagenhaltige Arzneimittel einnehmen“

Ob diese überhaupt nötig ist und welche Pille sinnvoll ist, hängt sehr von der individuellen Situation ab. Hier sollte ein ausführliches Beratungsgespräch erfolgen

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