Nachdem die WHI-Studie gezeigt hat, wie man eine Hormonersatztherapie (HRT) nicht durchführen darf, wissen wir jetzt , wie es zum Wohle der Lebensqualität und Lebenserwartung gemacht werden sollte.

Seit der ersten Schlagzeile in der New York Times sind inzwischen 12 Jahre vergangen und nur ganz langsam sind Mediensturm und die daraus resultierende Aufregung einer sachorientierten Debatte gewichen.

Es wurde durch viele neue Studien und Nachbearbeitung der WHI-Studie deutlich, dass Dosis, Applikationsart ( Tablette oder Gel) , vor allem der frühzeitige Beginn der HRT und möglicherweise auch das kombinierte Gestagen wesentlich den Nutzen und das Risikoprofil der HRT mit bedingen.

Entsprechend wird mittlerweile oft von einer „Renaissance der Hormonersatztherapie „ gesprochen.

Die moderne, niedrig dosierte, individualisierte und auf bioidentischen Hormonen aufbauende HRT ist eine ganz andere Behandlung als die starre Verordnung überdosierter Hormone in oraler Form nach dem Gießkannenprinzip, wie sie noch in den 80er-und 90er Jahren üblich war

Inzwischen wird auch wieder in Frauenzeitschriften ausführlich fair und ausgewogen über das Thema HRT berichtet , die Polemik und zeitweilige Häme ist verschwunden

Die "Renaissance" der Hormontherapie ist offenbar nun auch in der Publikumspresse angekommen:
Die Frauenzeitschrift "Brigitte" gibt ein Sonderheft („BRIGITTE woman SPECIAL“) zu den Wechseljahren heraus, das die HRT in einem Interview mit dem Hormonspezialisten Prof. Johannes Huber positiv thematisiert

Die Hormontherapie zielt darauf ab, bei symptomatischen, aber körperlich in aller Regel gesunden, unmittelbar postmenopausalen Frauen (d.h. die Wechseljahre haben gerade eingesetzt ) einen zusätzlichen prophylaktischen Nutzen hinsichtlich Osteoporose, und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu dokumentieren.

Auch bei der Hormontherapie wird ein Mangel ausgeglichen wie man dies schon sehr lange z.B. bei der Verordnung von Schilddrüsenhormonen bei deren Defizit durchführt.

Ja das ist so !! , wenn man bestimmte Dinge beachtet

Die größten, häufigsten und teuersten Morbiditäts- und Mortalitätsprobleme sind bei uns wie in anderen OECD-Staaten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Ansatz, das Risiko für Zivilisationskrankheiten wie die koronare Herzkrankheit (KHK) via Hormonsubstitution zu reduzieren, wurde vielfach kritisiert.

Eine neue Studie aus dem Jahre 2012 zeigt eindeutig die Vorteile hinsichtlich Schutz vor Herzinfarkten, ohne dass es zu einer Zunahme von Krebserkrankungen, Thrombosen oder Schlaganfällen kam.
Damit dies so funktioniert, ist der Zeitpunkt des Beginns der Hormontherapie von entscheidender Bedeutung : Beginn unmittelbar nach der Menopause

Die renommierte Wissenschaftszeitschrift SCIENCE hat in einer Titelgeschichte am 10.5.2005 bereits auf diesen wichtigen Punkt aufmerksam gemacht

Fakt ist :

Unmittelbar nach der Menopause wirkt Östrogen für das Herz-Kreislauf-System System protektiv, Jahrzehnte danach aber eher belastend.

Die klare Antwort lautet : NEIN

Mit Erlöschen der Hormonproduktion durch die Eierstöcke kommt es bei vielen Frauen durch ein Drittel weniger Grundumsatz erstmalig zu Übergewicht. Immer mehr Muskelzellen werden durch Fettzellen ersetzt.

Hinzu kommt eine Insulin-Resistenz mit reaktiver Hyperinsulinämie, die Hungergefühle auslöst (und so die Kalorienzufuhr erhöht).

Die damit fortschreitende Übergewichts-Entwicklung erhöht deutlich das Brustkrebsrisiko

Mit rechtzeitiger HRT können viele Frauen diesem Circulus vitiosus entgehen.

Die klare Antwort lautet : JA

Bei Frauen in der Menopause wird zunehmend beobachtet, das kardiovaskulär gesunde Frauen plötzlich einen Bluthochdruck ( Hypertonie) entwickeln – aus gelöst durch das sich jetzt einstellende Östrogendefizit.
Dies lässt sich dadurch erklären, das Östrogene bestimmte Enzyme stimulieren, die dazu beitragen, dass die Gefässwände sich erweitern und somit eine Blutdruckerhöhung verhindern. Bei einem Östrogenmangel ist dieser Schutzeffekt aufgehoben.

Die klare Antwort lautet : JA

Die klare Antwort lautet : JA

Die Osteoporose der postmenopausalen Frau kommt in 80 bis 90% der Fälle durch die nicht mehr erfolgende Östrogenproduktion im Rahmen der Menopause zustande. Neben einer gesunden, dem Knochenstoffwechsel zuträglichen Ernährung und regelmäßiger Bewegung ist die HRT (hormon replacement therapy) nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung die Therapie der ersten Wahl im Rahmen der Osteoporoseprävention .

An der Volkskrankheit Osteoporose sind zur Zeit in Deutschland ca. 6 Millionen Menschen erkrankt. Diese Zahl wird sich Schätzungen zufolge bis zum Jahr 2040 verdoppeln.

Frauen erkranken vier- bis fünfmal häufiger als Männer, wobei die Frakturen bei Frauen in einem wesentlich früheren Lebensabschnitt auftreten. Insgesamt wird Merke:

Die Zahl der Osteoporosepatienten wird sich bis zum Jahr 2040 verdoppeln!

Insgesamt betrachtet wird jede dritte postmenopausale Frau eine osteoporosebedingte Fraktur erleiden. Die Erkrankung zieht, vor allem bei bereits erfolgten Frakturen, starke Einschnitte in der Lebensqualität der Betroffenen nach sich. Frauen müssen auf Grund ihrer höheren Lebenserwartung länger mit diesen, zum Teil beträchtlichen, Einschränkungen leben.

Bei der Pressekonferenz des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Wiesbaden 2011 wurde ausführlich erklärt, dass Gefäßschutz wesentlich zur Demenz-Prävention beiträgt Kardiovaskulärer Schutz durch HRT ist ebenso gesichert wie ein Drittel weniger Diabetes-Neuerkrankungen (Effekt in allen großen HRT-Studien). Diabetes mit seinen Gefäßschädigungen schadet auch dem Gehirn.

Frauen, die direkt nach der Menopause mit einer Östrogen-Substitution beginnen, sollten ein möglichst gefäßneutrales niedrig dosiertes Gestagen bekommen, bei Frauen mit grenzwertigen Blutdruckwerten wird heute transdermal ( Pflaster oder Gel ) substituiert

Wie sind die Schlaganfallrisiken insgesamt :

  • zusätzliches Risiko durch die Pille : 4 je 100.000
  • zusätzliches Risiko durch Schwangerschaft : 20 je 100.000
  • zusätzliches Risiko bei HRT : 10-20 je 100.000 ( durch transdermale Gabe halbierbar)

Bei gesunden Frauen um die Menopause sind bei einer Dosis von 2 mg Estradiol (E2) oral keine Probleme zu erwarten, und individuell abgestimmt ist nach mehreren Monaten die halbe Dosis, also 1 mg E2 (low-dose), ein pragmatischer Weg.

Wird primär mit ultra-low-dose, also mit 0,5 mg E2, begonnen, so sind in den ersten Wochen jene enttäuscht, die keine bestmögliche Beschwerdelinderung erfuhren.

Analoges gilt für transdermales E2

Die niedrigste wirksame Dosis von Östrogenen bei Hitzewallungen ist nach den jüngsten Studien bei 0,5 mg oralem Estradiol, 0,3 mg konjugierten Östrogenen und 14 μg transdermalem Estradiol zu sehen. Verschiedene Gestagene könnten diesen Effekt verstärken oder nivellieren

Unter dieser Niedrigdosierung, aber auch unter den „ultra-low-dose“-Regimen besteht ein günstiger Effekt auf die Knochendichte.

Wegen der Umgehung der Leberpassage eines als Tablette eingenommenen Präparates ist die transdermale ( Pflaster oder Gel ) Hormontherapie prinzipiell für eine ganze Reihe von Patientinnen der bessere Weg.

Therapie der Wahl sollte sie auf jeden Fall sein bei erhöhtem Thrombose- und Apoplexrisiko, erhöhtem Risiko für Herzinfarkt, Migräne, Adipositas, Nikotinabusus und Gallenblasenerkrankungen.

Bei fehlenden Kontraindikationen ist eine orale Therapie günstiger bei Androgenisierungs-Erscheinungen und bestimmten Formen der Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämie)
Eine orale HRT ist ein ausgezeichneter Fettsenker – vergleichbar mit Statinen. Es ist zu bedenken, dass Statine das Diabetes-Risiko bei postmenopausalen Frauen um ca. 50% erhöhen, die HRT reduzierte das Diabetes-Risiko laut WHI um ein Drittel !

Die Entscheidungsfindung und das Abklären des Für und Wider erfordert eine ausführliche Beratung, die nicht im Rahmen einer normalen Krebsvorsorge so nebenbei erfolgen kann. Hier braucht es Zeit und diese Zeit sollten Sie sich nehmen, damit wir die Thematik ausgiebig besprechen können, d.h. dazu bedarf es eines Extra-Termines.

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