Die Mehrheit aller Patientinnen mit Brustkrebs erkranken "spontan", ohne dass in ihrer Familie bereits häufiger Brustkrebs aufgetreten ist.

Heute geht man davon aus, dass bei der Krankheitsentstehung viele verschiedene Einflüsse gemeinsam beteiligt sind. Wie dies genau geschieht, ist noch nicht bekannt. Es konnten aber eine Reihe von Faktoren aufgedeckt werden, die das persönliche Risiko erhöhen, an Brustkrebs zu erkranken (Risikofaktoren), und einer oder mehrere davon lassen sich in der Vorgeschichte der meisten Patientinnen nachweisen.

Das Lebensalter an sich kann als Risikofaktor angesehen werden, denn etwa ab dem 30. bis 75. Lebensjahr steigt das Erkrankungsrisiko stetig an, weil mit zunehmendem Alter Fehler in der Zellteilung bei jedem Menschen wahrscheinlicher werden.

Ist die Mutter oder eine Schwester an Brustkrebs erkrankt, so ist das Risiko einer Frau durchschnittlich zwei- bis dreimal höher als ohne erkrankte Verwandte. Eine Risikoerhöhung durch weiter entfernte Verwandte, etwa Tante oder Großmutter ist nicht gegeben.

Ist eine Frau bereits an einer Brust erkrankt, so besteht ein erhöhtes Erkrankungsrisiko auch in der anderen Brust.

Frauen mit früher erster Regelblutung, mit spätem Eintritt der Wechseljahre und Frauen mit später erster oder keiner Geburt erkranken häufiger als der Durchschnitt.

Gutartige Brusterkrankungen sind in der Regel nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden. Nur bei der Mastopathie mit Zellwucherungen untypischer Zellen (atypisch proliferierende Mastopathie), ist das Risiko erhöht.

Auch die Ernährungsweise scheint für das Erkrankungsrisiko eine Rolle spielen zu können. Fettreiche Ernährung wird oft mit einem erhöhten Risiko in Zusammenhang gebracht. Regelmäßiger Alkoholkonsum ist mit einer erhöhten Erkrankungswahrscheinlichkeit verbunden. Frauen mit Übergewicht erkranken nach der etwas häufiger als der Durchschnitt.

Auf nachfolgender Darstellung ist deutlich zu erkennen, welch hohes Risiko z.B. Übergewicht und Alkohol im Vergleich zur Hormon-Ersatz-Therapie (HRT) darstellen

hierzu zählen alle Frauen, bei denen etwa die Mutter oder die Schwester an Brustkrebs erkrankt ist. für eine sog. genetische (= erb-anlagenbedingte ) Vorbelastung spricht, wenn bei diesen Verwandten die Erkrankung frühzeitig, also vor dem 50. Lebensjahr aufgetreten ist. diese Frauen sollten sich genetisch beraten lassen und bereits ab dem ca. 30. Lebensjahr regelmässig einmal jährlich untersucht werden.

Es gibt Familien (Brustkrebsfamilien), in denen erbliche Genveränderungen vorkommen, die mit einem sehr hohen Erkrankungsrisiko für Brustkrebs verbunden sind. Auch hier erkranken jedoch längst nicht alle Familienmitglieder.

Typisch für die familiären Brustkrebsformen ist, dass die Erkrankung bei mehreren Familienmitgliedern auftritt - dies zeigt sich insbesondere bei großen Familien -, dass der Krebs bereits vor dem 40. bis 50. Lebensjahr diagnostiziert wird und dass öfter beide Brüste betroffen sind.

Als wichtigste Gene im Zusammenhang mit dem familiären Brustkrebs gelten heute BRCA-1 und BRCA-2. In ihrem normalen Zustand erfüllen die beiden Gene wichtige Funktionen in der Zelle. Durch eine Veränderung ihrer chemischen Struktur kann diese Funktion gestört werden: für die betroffene Zelle ist dies ein erster Schritt in Richtung bösartiger Veränderung.

Eine Frau mit einer ererbten Veränderung ( sog. Mutation ) im Gen BRCA-1 hat ein sehr hohes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken, und auch ihr Risiko für Eierstockkrebs ist hoch. Bei angeborener Veränderung im BRCA-2 Gen ist das Erkrankungsrisiko für Brustkrebs sehr stark, für Eierstockkrebs mäßig erhöht. Auch männliche Träger der Veränderung im Gen BRCA-2 haben ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Verschiedene andere bösartige Erkrankungen treten in den betroffenen Familien ebenfalls etwas häufiger auf als gewöhnlich.

Ob Gene verändert sind, kann im Labor untersucht werden. Diese kann man aus dem Blut oder, wenn eine Krebserkrankung vorliegt, zusätzlich aus dem bösartigen Tumor gewinnen. Wenn die folgenden Situationen vorliegen, besteht zumindest ein starker Verdacht, dass innerhalb der Familie ein Risikogen vererbt wird:

  • In einer Familie sind mindestens zwei nah miteinander verwandte Frauen an Brust und/oder Eierstockkrebs erkrankt, und zumindest bei einer von beiden ist die Erkrankung vor dem 50. Lebensjahr aufgetreten,
  • eine Frau in der Familie hat Brust- und Eierstockkrebs, und eine Erkrankung ist im Alter von 40 Jahren oder früher aufgetreten,
  • eine Frau erkrankt an Krebs in beiden Brüsten im Alter von 40 Jahren oder früher,
  • die Erkrankung tritt vor dem 30. Lebensjahr auf,
  • eine Frau in der Familie erkrankt im Alter von weniger als 40 Jahren an Eierstockkrebs,
  • ein männlicher Verwandter hat Brustkrebs.

Insgesamt werden etwa 5 bis 10% aller Brustkrebserkrankungen auf ererbte Genveränderungen zurückgeführt.

Zur Betreuung von Mitgliedern aus Familien mit deutlichem Hinweis auf bzw. Nachweis einer ererbten Erkrankungsveranlagung wurden in Deutschland mehrere Beratungszentren eingerichtet. Dort arbeiten Fachleute aus verschiedenen Bereichen (Frauenheilkunde, Genetik, Psychologie) zusammen, um die Familien sinnvoll betreuen zu können.

Seit 2005 übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Beratung, den Gentest und das Früherkennungsprogramm für Frauen mit familiärer Belastung für Brust –und Eierstockkrebs.

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