Seit etwa 20 Jahren ist es Routine, das ungeborene Kind mit Ultraschall zu betrachten. Vor der Ultraschall-Ära war es lediglich mittels Bauchumfangsmessungen, Gewichtsbestimmungen und Tastuntersuchungen des Bauches möglich, Informationen über die Schwangerschaft zu erhalten, insgesamt alles Methoden ohne allzu grosse Sicherheit. Für die Gynäkologen und Geburtshelfer ist der Ultraschall inzwischen zu einem unverzichtbaren Routineinstrument geworden, welches die Qualität der Schwangerschaftskontrollen erheblich gesteigert hat.

Das Besondere an der Methode ist, dass sie vollkommen unschädlich ist. Auch Delphine und Fledermäuse bedienen sich übrigens des Ultraschalls, um sich ein Bild von ihrer Umgebung zu machen. Trotzdem wird häufiger darüber diskutiert, ob die Schallwellen für das ungeborene Kind hörbar sind oder ob sie das Fruchtwasser in Schwingung versetzen und erwärmen können. Beweise für diese Theorien gibt es allerdings nicht. Wissenschaftliche Untersuchungen haben keinerlei Schädigung oder Stressbelastung des Kindes durch den Ultraschall nachgewiesen.

Als erste schwangerschaftstypische Struktur lässt sich bereits wenige Tage nach Ausbleiben der Periode eine Ringstruktur von wenigen mm Durchmesser innerhalb der Gebärmutter erkennen. Diese ist die Fruchthöhle.

Am Ende der 5. Schwangerschaftswoche lässt sich dann innerhalb dieser Fruchthöhle eine kreisrunde Struktur erkennen, die dem Dottersack entspricht. Mit der Darstellung dieses Dottersackes ist das Vorliegen einer evtl. Eileiterschwangerschaft weitgehend ausgeschlossen.

In der 6. bis 7. Schwangerschaftswoche lässt sich dann erstmalig ein Embryo mit Herzaktion erkennen.

Handelt es sich um einen Embryo oder liegen Mehrlinge vor ?

Lebt das Kind (die Kinder) ?

mittels Farbdoppler lässt sich der Blutfluss im Embryo darstellen und in Kombination mit der sich regelmässig zeigenden Bewegung des Kindes lässt sich diese Frage eindeutig beantworten

Befindet sich die Schwangerschaft in der Gebärmutter oder liegt eine Eileiterschwangerschaft vor ?

Die Darstellbarkeit einer Fruchthöhle in der Gebärmutter und kurze Zeit später die zusätzliche Darstellung des Embryos beweisst den richtigen Einnistungsort der Schwangerschaft

Stimmen die Messungen mit dem Schwangerschaftsalter überein ?

die gemessenen Ultraschallmaße werden automatisch in den verschiedenen Wachstumstabellen erfasst , sodass man sofort sehen kann, ob die gemessenen Werte dem Schwangerschaftsalter entsprechen

Besteht ein Nackenödem ?

siehe unter pränatale Diagnostik

Sind Kopf, Körper, Beine und Arme vorhanden ?

Gibt es Hinweise auf einen sog. " offenen Rücken" ?

Die Wirbelsäule kann schon in der sehr frühen Schwangerschaft dargestellt werden. Die korrekte Beantwortung kann jedoch erst später erfolgen, kleinere Defekte können trotz guter Geräte und qualifiziertem Ultraschaller unentdeckt bleiben

Wie alt ist die Schwangerschaft aufgrund der exakten Ultraschallmessung ?

Das Schwangerschaftsalter lässt sich in der Frühschwangerschaft sehr exakt angeben und der Entbindungstermin lässt sich dadurch auf plusminus 6 Tage voraussagen

Wo liegt die Plazenta ?

Ist die Wirbelsäule normal gestaltet ?

Die Wirbelsäule lässt sich in den verschiedenen Höhen sehr gut darstellen

Gibt es Veränderungen am Kopf oder Gesicht (z.B. Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte) ?

Beim Blick von frontal lassen sich Nasenspitze , Nasenlöcher und Mund sehr gut darstellen und begutachten

Wächst das Kind proportioniert weiter ?

Auch hier hilft die Wachstumskurve, in die die gemessenen Werte sofort eingetragen werden

Sind die Bauchorgane normal ?

Mit Darstellung des Magens ist gewährleistet, dass das Ungeborene schlucken kann, d.h. die Speiseröhre hat keinen Verschluss.

Sind die Nieren vorhanden, ist die Blase gefüllt ?

Die Darstellbarkeit der gefüllten Harnblase zeigt an, dass mindestens eine Niere funktioniert und somit Urin gebildet wird, der sich in der Blase ansammelt.

Hat das Herz eine normale Konfiguration ?

Der Ultraschall in Kombination mit der Farbdopplertechnik erlaubt eine sehr eingehende Diagnostik des kindlichen Herzens.

Gewichtsschätzung und normales Weiterwachstum

Vorrangiges Ziel der Ultraschalluntersuchung in dieser Phase der Schwangerschaft ist die Wachstumskontrolle und auch die Erkennung weiterer möglicher Auffälligkeiten

Sowohl das Erkennen einer Wachstumsverzögerung infolge einer eingeschränkten Funktion des Mutterkuchens als auch eines übermäßigen Wachstum (Makrosomie ) haben eine grosse Bedeutung hinsichtlich weiterer Massnahmen im Verlauf der Schwangerschaft.

Die Ultraschalluntersuchung erlaubt eine Schätzung (!) des kindlichen Gewichts mit einem Schätzfehler, der unter 500 g liegt

Bei jedem auffälligen Wachstum ist eine Blutflussmessung sowohl in den kindlichen als auch einigen mütterlichen Blutgefässen angezeigt ( sog. Farbdoppler-Sonographie )

Lage des Kindes , liegt eine Steißlage oder Querlage vor ?

Für den Geburtsablauf ist die Lage des Kindes von entscheidender Bedeutung; im Idealfall liegt der kindliche Kopf unten, bei der sog. Steißlage oder Beckenendlage liegt der Kopf jedoch oben. Für eine Erstgebärende bedeutet dies die Indikation für einen Kaiserschnitt . Der Ultraschall erlaubt die exakte Feststellung der kindlichen Position in der Gebärmutter und erlaubt so eine frühzeitige Besprechung des Geburtsablaufes

Liegt eine tiefsitzende Plazenta (Plazenta prävia) vor ?

Die Lage des Mutterkuchens (Plazenta) zu wissen wird insbesondere dann sehr wichtig , wenn die Plazenta sehr tief sitzt und dann möglicherweise die normale Geburt nicht möglich macht

Ist die Fruchtwassermenge normal ?

Eine auffällige Fruchtwassermenge kann den Schwangerschaftsverlauf erheblich beeinflussen. Bei massiver Fruchtwasservermehrung (Polyhydramnion) kann es zu vorzeitigen Wehen bis hin zur Frühgeburt kommen.

Eine verminderte Fruchtwassermenge (Oligohydramnion ) kann Ausdruck einer beginnenden Unterfunktion des Mutterkuchens sein und somit grosse Gefahr für das Ungeborene bedeuten.

Vorgaben lt. Mutterschaftsrichtlinien

Wenn Sie sich die Seite im Mutterpass ansehen, auf der die 3 Routine-Ultraschall-Untersuchungen gemäss den Mutterschaftsrichtlinien einzutragen sind, finden Sie, dass folgende Messungen erfasst werden sollten :

Scheitel-Steiss-Länge (SSL)

Das ist die Gesamtlänge des Embryos in möglichst ausgestreckter Lage

Kopfdurchmesser quer (BPD) und längs (OPD)

Bauchdurchmesser in 2 Ebenen (AQ, AT) und Bauchumfang (AU)

Länge des Oberschenkelknochens ( Fl)

Länge des Oberarmknochens (Hu)

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