Das Zervixkarzinom ( Krebs des Gebärmutterhalses) ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen weltweit. Die Häufigkeit reicht von 10 pro 100 000 Frauen in Industrienationen bis zu 60 von 100 000 Frauen in manchen Entwicklungsländern. In Europa erkranken ca. 33500 Frauen pro Jahr.

In Deutschland gibt es immer noch jedes Jahr etwa 6 200 Neuerkrankungen, ein bedeutender Anteil davon bei jüngeren Frauen. In den letzten Jahren ist die Neuerkrankungsrate annähernd konstant.

Es ist die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren nach Brustkrebs

die Übertragung erfolgt meist durch Geschlechtsverkehr

Das Zervixkarzinom ist der einzige bösartige Tumor, dessen Hauptursache zweifelsfrei geklärt ist: die dauerhafte Präsenz humaner Papillomviren (HPV-Viren) ist eine obligate Voraussetzung seiner Entstehung

die HPV-Typen 16, 18 sind für 75 % aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs , 95 % aller Vulva-und Vaginalkarzinome sowie 78 % der Präkanzerosen (= Vorläuferstadien ) vulvären und vaginaler Läsionen verantwortlich die Typen 6 und 11 verursachen 90 % aller Genitalwarzen es gibt ca. 100 verschiedenen HPV-Typen, davon können ca. 40 den Genitaltrakt befallen, 15 HPV-Typen besitzen ein krebserregendes Potential

Ca. 70 % aller sexuell aktiven Menschen kommen irgendwann in Kontakt mit HPV-Viren, meist heilt eine Infektion folgenlos ab. Ein Fünftel verläuft jedoch chronisch und kann dann Krebs erzeugen.

90 % der Infektionen bilden sich nach einigen Monaten von selbst zurück.

Bei Persistenz der HPV-Infektion entwickelt sich nahezu ausnahmslos ein Zervixkarzinom über einen längeren Zeitraum aus zervikalen Präkanzerosen, den sog. Intraepithelialen Neoplasien (CIN)

Das Zervixkarzinom entwickelt sich über mehrere Jahre und durchläuft mehrere Krebsvorstufen. Diese können mit einem zytologischen Abstrich frühzeitig erkannt werden.

Frauen in Deutschland können ab dem Alter von 20 Jahren einmal jährlich einen Zellabstrich am Gebärmutterhals (PAP-Abstrich) durchführen lassen, als Teil der gesetzlichen Krebsfrüherkennung

Gemäß den Krebsvorsorgebestimmungen erfolgt eine Entnahme von Untersuchungsmaterial von der Gebärmutterhals-Oberfläche und aus dem Gebärmutterhalskanal , in der Regel mit Hilfe von Spatel (Oberfläche) und Bürste (Gebärmutterhalskanal) Diese Untersuchung ist nicht schmerzhaft !

Im März 2007 empfahl die deutsche Ständige Impfkommission (STIKO), Mädchen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren gegen HPV 16 und 18 zu impfen, da diese HPV-Typen die für etwa 70 % aller Zervixkarzinome verantwortlich gemacht werden.

Inzwischen ist belegt, dass die Impfung die Entwicklung von Krebsvorstufen am Gebärmutterhals verhindern kann.

Ich beginne mit den Impfungen ab dem 12.-13. Lebensjahr. Zulässig ist diese Impfung bereits ab dem 9. Lebensjahr, die Kostenübernahme durch die Krankenkassen erfolgt aber erst ab dem 12. Lebensjahr .

Nach neuesten Studien scheint die Wirksamkeit dieser Impfung besser zu sein, wenn man zwischen dem 12.- 13- Lebensjahr impft anstatt in späteren Jahren. Es sind derzeitig 2 Impfstoffe verfügbar. In einer eingehenden Beratung kann ich Ihnen empfehlen, welcher Impfstoff für Ihre Tochter am sinnvollsten ist.

Die derzeitige Impfung stellt keinen Ersatz für die Krebsfrüherkennung dar. Es wird vermutlich lange dauern, bis eine hohe Durchimpfungsrate der Bevölkerung erreicht ist. Außerdem fehlen Langzeitergebnisse zur Dauer des Impfschutzes und des weiteren kann nicht gegen alle HPV-Typen geimpft werden

Derzeit ist Hauptindikation zur HPV-Diagnostik die Abklärung niedriggradiger und unklare Krebsabstrichbefunde sowie die Therapiekontrolle nach operativem Eingriff am Gebärmutterhals (=Konisation)

Ausführlicheres dazu im Kapitel „Mehr Sicherheit, aber wie ? „

Ein positives HPV-Ergebnis mit dem Nachweis von Hochrisiko-Typen besagt zunächst noch gar nichts! Dies gilt sowohl für solche Fälle in denen der HPV-Test isoliert, oder auch zur Bestätigung eines auffälligen Pap-Tests im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung zur Krebsfrüherkennung durchgeführt wurde.

Der Nachweis von Hochrisiko-HPV-Typen bedeutet nämlich keinesfalls, dass daraus eine Vorstufe oder ein Krebs entsteht, denn nur in 0,2 bis 1 Prozent (in 2 bis 10 von 1000 Fällen) der Hochrisiko-positiven Frauen kommt es tatsächlich zu einem Krebs.

Die Bedeutung eines positiven HPV-Tests kann nur durch zusätzliche Untersuchungen, evtl. in kürzeren Intervallen, durch Ihren Frauenarzt weiter abgeklärt werden.

So können dann auch die erwähnten 0,2 bis 1 Prozent echten Risikofälle rechtzeitig erkannt und therapiert werden.

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